Was ist drin im Abfall?
Voraussetzung für eine fachgerechte Entsorgung und Wiederverwertung von Abfällen ist die genaue Charakterisierung der anfallenden Stoffe. Die neue ÖNORM S 2127 liefert dafür klare Vorgaben.
Wien (AS prm, 2011-12-20)
Wiederverwertung, Lagerung oder Beseitigung. Was auch immer mit dem Abfall, egal welcher Art, geschehen soll, zuvor muss festgestellt werden, was überhaupt drinnen ist. Erst dann lässt sich fundiert entscheiden, wie es damit weiter geht. Der Fachbegriff dafür heißt „Charakterisierung von Abfällen“. Zu diesem Fachgebiet wurde in den vergangenen Jahren eine Reihe von Europäischen und nationalen Normen entwickelt, die den Praktiker bei der genauen Bestimmung der Eigenschaften unterschiedlichster Abfallarten unterstützen und eine genaue Klassifizierung ermöglichen.
Jüngstes Dokument in dieser Reihe ist die ÖNORM S 2127 „Grundlegende Charakterisierung von Abfallhaufen oder von festen Abfällen aus Behältnissen und Transportfahrzeugen“, die mit 1. November 2011 veröffentlicht wurde.
Ziel einer grundlegenden Charakterisierung eines Abfallhaufens oder von festen Abfällen aus Behältnissen und Transportfahrzeugen – zum Zweck einer ordnungsgemäßen Verwertung oder Beseitigung – ist die Ermittlung der durchschnittlichen Schadstoffgehalte, des Auslaugverhaltens und in weiterer Folge die richtige Zuordnung des gesamten Abfalls zu einer entsprechenden Qualitätsklasse.
Grundsätzlich ist jedoch für Aushubmaterialien davon auszugehen, dass eine Beprobung bereits vor Beginn der Aushub- oder Abräumtätigkeit („in-situ“) gemäß ÖNORM S 2126 durchgeführt wird. In speziellen Fällen, insbesondere bei schwer lokalisierbaren Verunreinigungen oder bei Verunreinigungen, die erst beim Ausheben erkennbar sind, kann es zweckmäßig sein, die jeweiligen Bereiche auszuheben und gemäß der neuen ÖNORM S 2127 grundlegend zu charakterisieren. Die Anforderungen dieser Norm sind als Mindestanforderung zu verstehen und zu erhöhen, falls ansonsten keine ausreichende Aussagekraft der Beurteilung sichergestellt werden kann.
Die ÖNORM S 2127 wurde unter Mitwirkung namhafter Experten erstellt und steht in engem Zusammenhang mit den rechtlichen Vorgaben, vor allem der Deponieverordnung und beschreibt den aktuellen Stand der Technik bei der grundlegenden Charakterisierung von Abfällen zum Zweck der ordnungsgemäßen Verwertung oder Beseitigung (vorbehaltlich einer diesbezüglichen Änderung der Deponieverordnung). Durch die Anwendung dieser Norm – sie ersetzt die Teile 1 und 2 der bisher gültigen ÖNORM S 2123 – werden die Anforderungen der ÖNORM EN 14899 „Charakterisierung von Abfällen – Probenahme von Abfällen – Rahmen für die Erstellung und Anwendung eines Probenahmeplans“ erfüllt.
Im Detail geregelt sind u.a. die Erstellung des Probenahmeplans, die Durchführung und Dokumentation der Probenahme, die Untersuchung der Proben, Ablauf der Untersuchung, Beurteilung und Zuordnung sowie die Dokumentation. Damit die Kommunikation und Information aller betroffenen Personen und Organisationen reibungslos funktioniert, ist im Anhang A eine Reihe von Formularen enthalten: zwei Abfallinformationen an die befugte Fachperson oder Fachanstalt: einmal ohne Aushubmaterial und einmal für Abfall, der erst nach Beginn der Aushub- oder Abräumtätigkeit untersucht wird. Weitere Formulare betreffen den Probenahmeplan und das Probenahmeprotokoll.
Analyse von Eluaten
Entscheidend für die Charakterisierung von Abfällen ist auch die Analyse von daraus gewonnenen Eluaten. Die ebenfalls neu erschienene ÖNORM EN 16192 regelt die Bestimmung der chemischen Bestandteile, der elektrischen Leitfähigkeit, des pH-Werts und des Gesamtgehalts an gelösten Feststoffen in Eluaten, die durch Auslaugung von Abfallproben. Sie lässt sich grundsätzlich für die Analyse jeder Art von Eluaten anwenden, solange die Leistungscharakteristiken des angewendeten Analyseverfahrens die spezifischen Anforderungen erfüllen.
Bibliographie
ÖNORM S 2127 Grundlegende Charakterisierung von Abfallhaufen oder von festen Abfällen aus Behältnissen und Transportfahrzeugen
ÖNORM S 2126 Grundlegende Charakterisierung von Aushubmaterial vor Beginn der Aushub- oder Abräumtätigkeit
ÖNORM EN 14899 Charakterisierung von Abfällen – Probenahme von Abfällen – Rahmen für die Erstellung und Anwendung eines Probenahmeplans
ÖNORM EN 16192 Charakterisierung von Abfällen – Analyse von Eluaten
Seminartipp
Abfallcharakterisierung von Bodenaushub und Abfallhaufen
Termin: 28. Juni 2012
Ort: Wien, Tech Gate Vienna
Nähere Information und Anmeldung:
Austrian Standards plus Trainings
E-Mail: trainings(at)as-plus.at
Web: www.as-plus.at/trainings
Tel.: +43 1 213 00-333

