Nachvollziehbarer CO2-Fußabdruck
Mit der Internationalen Norm ISO 14067 sollen künftig die Quantifizierung von CO2-Emissionen und die Kommunikation darüber transparenter werden. Österreich hat daran führend mitgearbeitet.
Wien (AS prm, 2012-02-07)
2010 wurden weltweit 30,6 Mrd. Tonnen Kohlendioxid in die Atmosphäre emittiert. Eine enorme Menge an freigesetzten Treibhausgasen, die ursächlich für die Erderwärmung der vergangenen Jahrzehnte verantwortlich ist.
Dass eine Erwärmung des Klimasystems eindeutig stattfindet, hält der zwischenstaatliche Ausschuss für Klimaänderungen (IPCC) in seinem 2007 erschienenen Synthesebericht zu Klimaänderungen fest.
Als Indizien dafür gelten Beobachtungen der Anstiege der mittleren globalen Luft- und Meerestemperaturen, das ausgedehnte Abschmelzen von Schnee und Eis sowie der Anstieg des mittleren globalen Meeresspiegels. Durch die vom Menschen verursachten CO2-Emissionen sind somit Millionen Menschen vom Verlust ihrer Lebensräume und ihrer Nahrungsgrundlagen bedroht.
Wesentlicher Einfluss des Menschen
1972 – vor mittlerweile 40 Jahren – schreckte der Club of Rome die Weltöffentlichkeit mit seinen Prognosen zu den „Grenzen des Wachstums“ auf. Spätestens seit 2005 ist auch evident, dass der Mensch durch die Emissionen von Treibhausgasen wesentlichen Einfluss auf den Klimawandel hat.
Diese Tatsache wurde damals von den acht führenden Industrienationen (G8) bei ihrem Gipfeltreffen im schottischen Gleneagles anerkannt, zu dem auch Vertreter aufstrebender Entwicklungs- und Schwellenländer wie China, Indien, Brasilien und Mexiko sowie internationaler Organisationen geladen waren.
Darüber hinaus einigten sich die Vertreter der G8 bei dieser Konferenz auf einen Aktionsplan für Klimaschutzmaßnahmen und erkannten das Kyoto-Protokoll als möglichen Regelungsmechanismus für marktbasierende Anreizsysteme an.
Carbon Footprint zeigt Verursacher
Um die Emission von Treibhausgasen wirkungsvoll reduzieren zu können, muss man zuallererst die Verursacher kennen. Das Konzept des Carbon Footprint (CO2 Fußabdruck) macht die „Verantwortung“ einzelner Produkte für den Treibhausgaseffekt deutlich.
Durch das Summieren aller von einem Produkt in seinem Lebenszyklus verursachten Kohlendioxid-Emissionen wurde der Versuch unternommen, eine Art Bilanz zu erstellen. So entstanden in den letzten Jahren zahlreiche Formen der Bewertung.
Allein, es fehlte am geeigneten Instrumentarium, um diese Klassifizierungen vergleichen zu können. Weder herrschte Einigkeit bei den Begrifflichkeiten noch war das Zustandekommen der Bewertungen hinreichend dokumentiert oder gar objektivierbar.
Einheitlich erfassen und vergleichen
Die als Entwurf vorliegende Internationale Norm ISO 14067 widmet sich auf Grundlage der Lebenszyklusanalyse den Treibhausgasen. Diese sind global gesehen der wichtigste Umweltfaktor und zudem durch geeignete Daten belegt. ISO 14067 macht es erstmals möglich, die CO2-Emissionen im kompletten Lebenszyklus von Waren und Dienstleistungen – von der Herstellung bis zur Entsorgung oder dem Recycling – zu quantifizieren.
Durch die vereinheitlichten Grundlagen werden die entsprechenden Werte erstmals weltweit vergleichbar. Zudem gewährleistet die neue ISO-Norm Konsistenz mit anderen Standards, wie etwa ISO 14025 (Environmental Labels and Declarations), ISO 14044 (Environmental Management – Life Cycle Assessment) oder BSI PAS 2050.
Rasch und seriös kommunizieren
Dementsprechend ist auch die Kommunikation über den Carbon Footprint an den Verbraucher im neuen Standard festgeschrieben. Den bislang von ISO eingesetzten Kommunikationsinstrumenten Claim, Label und Declaration wurden mit dem External Communication Report (ECR) und dem Carbon Footprint Performance Report (CFPR) zwei zusätzliche zur Seite gestellt.
Während als Basis für die bereits vorhandenen Tools im Vorfeld zeitintensive Studien oder Programme notwendig sind, ermöglichen ECP und CFPR rasch eine nachvollziehbare und damit seriöse Kommunikation zum Verbraucher, die weniger an die Quantifizierung gebunden ist.
Dr. Klaus Radunsky, Abteilungsleiter im Umweltbundesamt, österreichischer Vertreter im Weltklimarat, Friedensnobelpreisträger und Vorsitzender der verantwortlichen Arbeitsgruppe im ISO-Komitee zum neuen Regelwerk: „Diese Norm ist sicherlich ein Meilenstein. ISO 14067 ist ein sehr wichtiges Instrument, um zuverlässige Anhaltspunkte zu gewinnen, wo Treibhausgase verringert werden können. Andererseits kann die Norm helfen, ein Problembewusstsein für dieses Thema zu entwickeln. Denn die Dekarbonisierung unserer Wirtschaft hängt letztlich sehr stark von individuellen Konsumentscheidungen ab.“
Nutzen für Unternehmen und Konsumenten
Wie können nun die Anbieter von Produkten und Dienstleistungen von ISO 14067 profitieren? Vereinfacht gesagt, kann in einem ersten Screening festgestellt werden, welche Prozesse im Lebenszyklus wesentlich zum Carbon Footprint eines Produkts oder einer Dienstleistung beitragen.
In der Folge können Emissionen durch gezielte Maßnahmen reduziert und die Effizienz der Wertschöpfungskette gesteigert werden. Dieser optimierte Carbon Footprint kann – dank ISO 14067 – dem Konsumenten nachvollziehbar kommuniziert werden. Diesem stehen damit wiederum alle notwendigen Informationen in der entsprechenden Qualität zur Verfügung, um ein Produkt beurteilen zu können.
Die neue ISO-Norm, an deren Entstehung 107 Experten aus über 30 Ländern mitgewirkt haben, stellt damit zuverlässige und vergleichbare Parameter für Unternehmen und Konsumenten bereit. Damit ist ein wichtiger vorbereitender Schritt zur weltweiten Eindämmung der CO2-Emissionen getan. Doch die Experten von ISO denken bereits weiter.
Dr. Klaus Radunsky: „Das nächste Ziel wäre ein ‚Personal Carbon Footprint‘. Man muss sich vorstellen, welche Dynamik entstehen kann, wenn sich Betriebe zum Ziel setzen, das Produkt mit dem niedrigsten Carbon Footprint herstellen zu wollen.“
Herbert Hirner
Bibliographie
ISO 14067 Carbon Footprint of Products (Entwurf)
ÖNORM EN ISO 14025 Umweltkennzeichnungen und -deklarationen – Typ III Umweltdeklarationen – Grundsätze und Verfahren
ÖNORM EN ISO 14044 Umweltmanagement –Ökobilanz – Anforderungen und Anleitungen

