Bauen: Faktor Nachhaltigkeit
Archivmeldung Austrian Standards
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Wie man den bewertet, ist Thema einer europäischen Normenreihe. Die ersten Dokumente liegen vor.
Wien (AS prm, 2010-12-14)
Gesellschaftliche Verantwortung, Umweltschutz, Nachhaltigkeit – Begriffe, die nicht nur durch die Medien schwirren, sondern mehr und mehr ins Bewusstsein dringen und allgemeine Akzeptanz finden.
Denn steigende CO2-Emissionen und die von Wissenschaftern prognostizierte Klimaerwärmung erfordern Maßnahmen, auch und gerade im Bauwesen. Nachhaltiges Bauen ist somit zum Thema geworden.
Aber worum geht es dabei? Wie überprüft man die Nachhaltigkeit von Bauten? Wie weist man sie nach?
Antworten auf diese Fragen werden jetzt mit Hilfe der europäischen Normung gesucht. Bereits 2005 hat die Kommission ein Mandat dazu erteilt.
Jetzt liegen die ersten Ergebnisse vor. Ausgangspunkt bzw. Grundlage ist der Teil 1 der Europäischen Norm EN 15643, der mit 1. November 2010 als ÖNORM erschien.
Vergleichbarkeit mit Hilfe von Normen
In dieser Normenreihe geht es um nicht mehr und nicht weniger als um die Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden und das nicht nur hinsichtlich ihrer ökologischen und ökonomischen Qualität, sondern auch hinsichtlich sozialer Auswirkungen und Aspekte.
„Der Zweck ist“, so Dipl.-Ing. Stefan Wagmeister, zuständiger Komitee-Manager bei Austrian Standards Institute, „eine Vergleichbarkeit der Bewertungsergebnisse mit Hilfe der Normen zu erreichen, wobei aber keine Richtwerte oder Qualitätsgrenzen festgelegt sind. Es geht um die Vergleichbarkeit der Bewertungen ohne Werturteile.“
Drei Kriterien – drei Schritte
Die Bewertungen im Hinblick auf Ökologie, Soziales und Ökonomie sollen, so empfiehlt die Norm, in drei Schritten durchgeführt werden: zum ersten Mal bereits möglichst früh in der Entwurfsphase. Diese Einschätzungen werden während des Baufortschritts regelmäßig überprüft, um schließlich nach Fertigstellung des Gebäudes eine abschließende Bewertung durchzuführen.
Was dabei herauskommt, ist dann Grundlage für eine Information aller Beteiligten. Denn wer nachhaltig baut und das Bauwerk entsprechend bewertet hat, möchte das auch kommunizieren: Mietern, Wohnungskäufern, Anrainern oder Mitarbeitern. Wagmeister: „Eine nachhaltige Bauweise wird für die Konsumenten zunehmend zum Kaufargument.“
Soziale Nachhaltigkeit
Österreichische Experten (Komitee 011 „Hochbau Allgemeines“ bei Austrian Standards Institute) sind in die europäischen Normungsarbeiten (TC 350 „Nachhaltigkeit von Gebäuden“) aktiv eingebunden. Besonderes Anliegen ist dabei die Frage der sozialen Nachhaltigkeit.
Die zuständige Arbeitsgruppe, die den Teil 3 der EN 15643 bereits als Entwurf fertig gestellt hat, wird von Österreich geleitet.
Zentrale Kriterien sind dabei Gesundheit und Behaglichkeit (z. B. Raumluftqualität, Feuchtigkeit, Wasserqualität, Schallschutz), Erreichbarkeit (z. B. die Zugänglichkeit für Personen mit besonderen Bedürfnissen), Instandhaltung und Wartung, Schutz und Sicherheit (z. B. Brandschutz, Schutz vor Vandalismus und Einbruch) sowie Einwirkungen aus der Umgebung (z. B. Lärm oder Vibrationen).
Mit dieser Norm kann es gelingen, den Bedürfnissen von Umwelt, Mensch und Wirtschaftlichkeit gleichermaßen und verantwortungsvoll Rechnung zu tragen.
Bibliographie
ÖNORM EN 15643 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Bewertung der Nachhaltigkeit von Gebäuden;
Teil 1: Allgemeine Rahmenbedingungen;
Teil 2: Rahmenbedingungen für die Bewertung der umweltbezogenen Qualität;
Teil 3: Rahmenbedingungen für die Bewertung der sozialen Qualität;
Teil 4: Rahmenbedingungen für die Bewertung der ökonomischen
Qualität (Teile 2 - 4: Entwürfe)
