Volle Lebensqualität - Zero Emission

Archivmeldung des Austrian Standards Institute
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Emissionslose Städte schaffen höhere Lebensqualität, Normen helfen dabei.

Wien (AS prm, 2011-01-27)

Experten sind sich darin einig, dass die im globalen Rahmen noch handhabbare Erderwärmung gegenüber der vorindustriellen Zeit 2 Grad Celsius nicht überschreiten darf. Um dieses so genannte 2°C-Ziel zu erreichen, ist eine Reduktion der Treibhausgase auf die Hälfte innerhalb der nächsten 40 Jahre notwendig. Städte spielen dabei eine zentrale Rolle.

Mehr als die Hälfte der 6,8 Milliarden Menschen, die aktuell die Erde bevölkern, lebt in Städten, in Europa sind es sogar fast drei Viertel. Die zunehmende Landflucht fordert auch ökologisch ihren Tribut: Urbane Ballungszentren verbrauchen 75 Prozent der Energie und verursachen 80 Prozent der Treibhausgas-Emissionen.

Masdar City
Credit: www.siemens.com

Die verdichtete städtische Lebensform ist aus Umweltsicht ebenso wie im Hinblick auf die Energieeffizienz günstiger als die Zersiedelung im ländlichen Raum. Dazu tragen verschiedenste Normen – von Wärmeschutz über Klimatechnik bis zur Gesamtenergieeffizienz und den Projekt- und Folgekosten von Gebäuden – bei.

Wenn Ökonomie und Ökologie aber im Sinne effektiver Klimaziele zu einer zukunftsfähigen Balance finden sollen, stehen unseren Städten noch gewaltige Anstrengungen bevor. Die Herausforderungen manifestieren sich in einem Begriff: „Zero Emission Cities“. Emissionsfreie Städte geben idealerweise keinerlei Treibhausgase und Luftschadstoffe ab und emittieren keine Stoffe aus Prozessen der Energiebereitstellung oder der Versorgung mit Gütern des täglichen Bedarfs. Soweit die Theorie.

Strom, Wärme, Mobilität

Die bestimmenden Faktoren und damit Ansatzpunkte auf dem Weg zur Zero Emission City ergeben sich aus dem Bedarf städtischen Lebens an elektrischer Energie, Wärme und Mobilität. Neben der Realisierung von Einsparungspotentialen und dem Einsatz erneuerbarer Energieträger zur Stromerzeugung ist die Speicherung von Strom aus regenerativen Energieträgern eine der wesentlichsten Herausforderungen. Eine Entwicklung, die gezielt forciert wird: So fördert der Klima- und Energiefonds seit kurzem städtische „Smart Energy“-Demonstrations- und Pilotprojekte.

Bei der Wärme kann eine Vermeidung von Emissionen bereits in der Städteplanung und damit im künftigen Klimatisierungsbedarf angelegt werden. Zum anderen sind hier natürlich auch restaurative Maßnahmen wie Dämmung und Sanierung sowie ein umsichtiges Ressourcenmanagement von großer Bedeutung.

Den nachhaltigen Umgang mit Ressourcen thematisiert die in aktualisierter Ausgabe erschienene ÖNORM B 1801 Bauprojekt- und Objektmanagement, Teil 2: Objekt-Folgekosten, die sich mit dem Lebenszyklus und der Nachhaltigkeit von Bauprojekten auseinandersetzt. Sie regelt nicht nur die richtige Bewertung im laufenden Betrieb, sondern behandelt auch die Kosten für den Abbruch und die Entsorgung. Den Rahmen zu der als „Urban Mining“ bezeichneten Rohstoffgewinnung innerhalb von Städten bildet eine Reihe von Normen zu Abfallwirtschaft und -verwertung.

Der schwierigste Faktor auf dem Weg zur Zero Emission City ist ohne Zweifel die Mobilität. Denn Mobilität muss grundlegend neu gedacht werden. Die Vermeidung von Verkehr durch kurze Wege bedarf einer Stadt- und Verkehrsplanung, welche die entsprechenden Raum- und Wirtschaftsstrukturen vorsieht. Dazu sind neue intelligente Verkehrskonzepte gefragt, die Mobilität durch öffentlichen Verkehr gewährleisten und die Transportbedürfnisse der Wirtschaft befriedigen können. Und ebenso der Individualverkehr steht vor einem Paradigmenwechsel. So benötigen etwa die für den städtischen Verkehr optimal geeigneten Elektro-Fahrzeuge eine neue Infrastruktur, ein adäquates Verrechnungssystem (Smart Grid, Smart Meter) und natürlich zu allererst einheitliche Standards. 

Die energieautarke Stadt

Im Emirat Abu Dhabi entsteht zur Zeit eine Stadt, die dem Ideal einer Zero Emission City sehr nahe kommt. Masdar City soll vollständig durch erneuerbare Energien versorgt werden. Nach der Planung von Lord Norman Foster wird die ganze Stadt einer strengen Nachhaltigkeitsleitlinie entsprechend ausgerichtet, so dass sie kein CO2 emittieren und durch konsequentes Recycling nahezu abfallfrei sein wird. Mit fossilen Brennstoffen betriebene Fahrzeuge sind innerhalb der Stadt verboten. Dafür soll kein Punkt im Stadtgebiet mehr als 200 Meter von einer Haltestelle öffentlicher Verkehrsmittel entfernt sein.

Der „Modellversuch“ Masdar wird zeigen, wie gut Menschen sich auf die neuen Lebensbedingungen unter ökologischen Erfordernissen einstellen können. Zero Emission Cities sollen ökologisch und nachhaltig sein, aber nicht zuletzt geht es dabei um Lebensqualität. Denn Ökodesign heißt auch, Städte für ihre Bewohner attraktiver zu machen. Normen sind dabei wirkungsvolle Instrumente.


Bibliographie

Bauprojekt- und Objektmanagement
ÖNORM B 1801-1  - Teil 1: Objekterrichtung
ÖNORM B 1801-2  - Teil 2: Objekt-Folgekosten