ISO 26000 Fertigstellung November 2010

ISO 26000 erscheint mit 1. November 2010. Die letzte Phase in der Erstellung der ISO 26000 mit Leitlinien für die Umsetzung gesellschaftlicher Verantwortung wurde erfolgreich abgeschlossen, so dass einer Veröffentlichung als Internationale Norm nichts mehr im Wege steht.

Rob Steele
Rob Steele

Wien (AS prm, 2010-09-23)

Mit großer Anerkennung für die „beispielhaften Bemühungen“ der Experten, welche die Norm erarbeiteten, merkt ISO-Generalsekretär Rob Steele an:

„ISO 26000 bietet Organisationen, denen sozial verträgliches Handeln ein echtes Anliegen ist, eine Orientierungshilfe bei der pragmatischen, auf Resultate ausgerichteten Verwirklichung ihrer gesellschaftlichen Verantwortung. Sie stellt ein leistungsfähiges Instrument dar, mit dem Organisationen ihre guten Absichten im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung in die Tat umsetzen können.“

Die in diesem Standard enthaltenen harmonisierten, weltweit relevanten Leitlinien gelten für jegliche Organisationen des privaten und öffentlichen Sektors. Sie wurden in einem internationalen Konsens unter Experten aus den wichtigsten betroffenen Kreisen entwickelt und sollen die Umsetzung von bewährten Verfahren im Bereich der gesellschaftlichen Verantwortung in allen Ländern fördern.

Im Dokument werden folgende Aspekte in konzentrierter Form behandelt:

  • Begriffsbestimmungen und Grundsätze der gesellschaftlichen Verantwortung,
  • Kernpunkte für die Umsetzung der gesellschaftlichen Verantwortung,
  • Leitlinien zur Verankerung der gesellschaftlichen Verantwortung in allen Tätigkeitsbereichen einer Organisation.

Die Abstimmung über den Entwurf der ISO 26000 unter allen in der ISO vertretenen nationalen Normungsinstituten wurde am 12. September abgeschlossen.

Der Standard wurde von 94 % der Länder angenommen und von den an der Ausarbeitung beteiligten Fachorganisationen weitgehend befürwortet, so dass sie nun als echte Internationale Norm veröffentlicht werden kann.

Die Verantwortung für die Erstellung der ISO 26000, die 2005 in Angriff genommen wurde, trug die ISO-Arbeitsgruppe „Social Responsibility“ (ISO/WG SR), die Experten und Beobachter aus 99 Mitgliedsländern der ISO (darunter 69 Entwicklungsländer) sowie 42 Organisationen des privaten und öffentlichen Sektors zusammenführte.

Sechs wichtige Gruppen waren vertreten: Industrie, Staat, Arbeitnehmer, Konsumenten, NGOs sowie Dienstleistungssektor, Forschung und Sonstige.

Weiters war für geographische Ausgewogenheit und die gleiche Vertretung von Männern und Frauen unter den Teilnehmern gesorgt.

Insgesamt wirkten rund 400 Personen an der Norm mit, womit die ISO/WG SR die bisher größte Arbeitsgruppe der ISO darstellte.

Statements

Jorge E.R. Cajazeira
Jorge E.R. Cajazeira

Die ISO/WG SR wurde von den ISO-Mitgliedern aus Brasilien (ABNT) und Schweden (SIS) gemeinsam geleitet. Ihr Vorsitzender, Jorge E.R. Cajazeira, meint zum Abstimmungsergebnis:

„Eines Tages werden sich Organisationen mit Blick auf die ISO 26000 fragen, wie sie jemals ohne gesellschaftliche Verantwortung im Geschäftsleben bestehen konnten – und all das, weil eine Gruppe von Träumern sich vorzustellen versuchte, wie die Zukunft aussehen könnte, und dann fünf Jahre lang hart auf diese Vision hingearbeitet hat. Ich bin stolz, dass ich in leitender Funktion an der Verwirklichung dieses Traums mitgewirkt habe.“

Staffan Söderberg
Staffan Söderberg

Sein Stellvertreter, Staffan Söderberg, ergänzt:

„Nach fünf arbeitsreichen Jahren herrscht nun Einigkeit über einen 100seitigen Leitfaden zur gesellschaftlichen Verantwortung. Er enthält sieben Grundsätze, sieben Kernfragen und sieben Umsetzungsschritte. Eine Norm kann immer nur so gut sein wie ihr Entstehungsprozess. Großteils ist es dem Verfahren, an dem sich alle betroffenen Kreise beteiligten, zu verdanken, dass wir in der Abstimmung eine so starke Befürwortung für den endgültigen Text der ISO 26000 erzielt haben. Nun geben wir dieses beeindruckende Dokument an jene weiter, die eine echte Veränderung bewirken können – an die Normanwender.“

Inhalt

ISO 26000 enthält Leitlinien und soll nicht wie ISO 9001 oder ISO 14001 für Zertifizierungen genutzt werden.

Die Empfehlungen der ISO 26000 stützen sich auf bewährte Verfahren, die von bestehenden Initiativen für die gesellschaftliche Verantwortung im öffentlichen und privaten Sektor entwickelt wurden.

Sie ergänzt und steht in Einklang mit relevanten Deklarationen und Konventionen der Vereinten Nationen und ihrer Sonderorganisationen, wie insbesondere der internationalen Arbeitsorganisation ILO, mit der die ISO ein Memorandum of Understanding (MoU) über die Gewährleistung der Konsistenz mit den arbeitsrechtlichen Standards der ILO unterzeichnet hat.

Weitere MoU wurden mit dem Global Compact Office der UNO (UNGCO) und der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) abgeschlossen, um sie stärker in die Ausarbeitung der ISO 26000 einzubinden.


Bibliographie

ÖNORM ISO 26000 Leitfaden gesellschaftlicher Verantwortung