Ein Leitfaden für gesellschaftliche Verantwortung

Archivmeldung des Austrian Standards Institute
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Der mit Spannung erwartete Entwurf zur Internationalen Norm ISO 26000 liegt vor. Möglichkeit zur Stellungnahme ab 1. November 2009 bis Jahresende.

Wien (AS prm, 2009-10-08)

Wirtschaftliche Tätigkeit hat seit jeher Auswirkungen auf die Gesellschaft und auf die Umwelt. Unternehmen werden deshalb zunehmend nicht nur nach ihrem wirtschaftlichen Erfolg beurteilt. Mehr und mehr hängt ihre Reputation auch davon ab, wie sie mit ihrer Verantwortung gegenüber der Gesellschaft umgehen, wie sie zu einer nachhaltigen Entwicklung beitragen.

Um diese Aufgaben umfassend wahrnehmen zu können, haben Experten und Interessensgruppen aus aller Welt die Internationale Norm ISO 26000 entwickelt. Dieses als Leitfaden konzipierte Dokument liegt nun als Entwurf vor.

Austrian Standards Institute legt den Entwurf zur ÖNORM ISO 26000 „Leitfaden gesellschaftlicher Verantwortung“ mit 1. November 2009 zur Stellungnahme durch die Öffentlichkeit auf.

Orientierung und Anleitung

Ziel der ISO 26000 ist es, allen Arten von Unternehmen sowie Organisationen im öffentlichen und im gemeinnützigen Sektor – unabhängig von ihrer Größe und ihrem geografischen Standort – Orientierung zum Thema gesellschaftlicher Verantwortung zu geben und das Verständnis dafür zu fördern.

Ausgangspunkt für die Entwicklung dieser Norm ist die Tatsache, dass die Leistung einer Organisation gegenüber der Gesellschaft, in der sie tätig ist, sowie ihre Auswirkung auf die Umwelt zu einem entscheidenden Bewertungskriterium ihrer Gesamtleistung und ihrer Effektivität geworden sind.

Dies ist zum Teil ein Indiz für das zunehmende öffentliche Bewusstsein, gesunde Ökosysteme, soziale Gerechtigkeit und eine guten Organisationsführung sicherzustellen. Denn Organisationen unterliegen einer immer intensiveren Überprüfung durch ihre verschiedenen Stakeholder (Anspruchsgruppen), wie Kunden/Konsumenten, Arbeitnehmer und deren Gewerkschaften, durch Mitglieder, die Allgemeinheit, Nichtregierungsorganisationen, Kapitalgeber, Sponsoren, Investoren oder andere Unternehmen.

Wie die gesellschaftliche Verantwortung einer Organisation wahrgenommen wird, kann vielfältige Auswirkungen haben: auf Wettbewerbsfähigkeit, auf Ansehen, auf die Fähigkeit, Arbeitnehmer oder Mitglieder, Kunden, Klienten oder Nutzer zu gewinnen und zu binden, auf Arbeitsmoral, Einsatz und Produktivität der Arbeitnehmer, auf die Einschätzung von Investoren, Stiftern und Sponsoren sowie auf ihre Beziehung zu anderen Unternehmen, Regierung, Medien, Lieferanten, Partner, Kunden und zum Umfeld.

ISO 26000 bietet daher Orientierung zu den einer gesellschaftlichen Verantwortung zugrunde liegenden Prinzipien, Kernthemen und Handlungsfeldern und gibt Hinweise, wie ein solches Verhalten in bestehende Strategien, Systeme, Verfahrensweisen und Prozesse integriert werden kann.

Eigenverantwortung & Vielfalt

Organisationsführung, Menschenrechte, Arbeitsbedingungen, Umwelt, anständige Handlungsweisen und Umgangsformen, Konsumentenfragen sowie regionale Einbindung und Entwicklung des Umfelds sind die Kernthemen gesellschaftlicher Verantwortung.

Auch wenn nicht alle Einzelheiten dieser Norm für alle Organisationsarten gleichermaßen von Bedeutung sind, sind alle diese Kernthemen für jede Art von Organisation relevant. Ausgehend von eigenen Überlegungen und dem Dialog mit ihren Stakeholdern/Anspruchsgruppen, soll jede Organisation in Eigenverantwortung festlegen, was für sie von Bedeutung ist.

Grundsätzlich ist die Anwendung dieser Norm freiwillig, wie in dem Dokument ausdrücklich festgehalten wird. Empfohlen wird, dass eine Organisation sowohl die Vielfalt in Gesellschaft, Umwelt, Recht und Organisationsformen als auch die Unterschiede wirtschaftlicher Rahmenbedingungen beachten sollte, solange diese im Einklang mit internationalen Verhaltensstandards stehen.

Was ISO 26000 nicht ist!

Ebenso wird darauf hingewiesen, dass ISO 26000 keine Managementsystemnorm (wie z. B. ISO 9000) ist und weder für Zertifizierungszwecke noch für die gesetzliche oder vertragliche Anwendung vorgesehen oder geeignet ist. Jegliches Angebot zur Zertifizierung oder die Behauptung, gemäß ISO 26000 zertifiziert zu sein, wäre daher eine Fehlinterpretation der Absicht und des Zwecks der Internationalen Norm. Keineswegs soll diese Norm Verpflichtungen des Staates ersetzen, modifizieren oder auf andere Weise abändern.

Für Anfänger und Fortgeschrittene

Um eine möglichst weitgehende Anwendung dieses Leitfadens sicherzustellen, wurde bei der Entwicklung der Norm auf unterschiedlichen Wissensstand und Erfahrungen von Organisationen Bedacht genommen. Sie ist ausdrücklich sowohl für die Anwendung durch jene vorgesehen, die erst damit beginnen, sich mit gesellschaftlicher Verantwortung auseinanderzusetzen, als auch für jene, die bereits Erfahrungen mit der Umsetzung haben.

Die Norm kann daher sowohl als Einführung in das Thema genutzt werden, wie auch dazu, bestehende Verfahren zu verbessern und stärker zu integrieren. Ein informativer Anhang mit Beispielen freiwilliger Initiativen und Instrumente soll zusätzlich das Verständnis erleichtern.

90 Staaten, 40 internationale Organisationen

Entwickelt wurde ISO 26000 ab 2005 in der Arbeitsgruppe ISO/TMB „Social Responsibility“. Grundlage dafür war ein so genannter Multi-Stakeholder-Ansatz unter Einbeziehung von Fachleuten aus mehr als 90 Ländern und 40 internationalen oder regionalen Organisationen, die in verschiedenen Bereichen gesellschaftlicher Verantwortung tätig sind.

Diese Fachleute vertreten sechs unterschiedliche Interessensgruppen: Konsumenten, Behörden, Wirtschaft, Arbeitnehmer, Nichtregierungsorganisationen (NGOs) sowie Dienstleistung, Beratung und Forschung.

Darüber hinaus wurden spezielle Vorkehrungen getroffen, um ein ausgewogenes Verhältnis zwischen Industriestaaten und Entwicklungsländern zu erreichen.

Das Ergebnis dieser Arbeiten, an denen österreichische Experten engagiert mitgewirkt haben, wird nun einem weltweit laufenden Begutachtungsverfahren unterzogen. Mit der Veröffentlichung der ISO 26000 ist voraussichtlich Ende 2010 zu rechnen.


Bibliographie

Entwurf ÖNORM ISO 26000 - Leitfaden gesellschaftlicher Verantwortung - zum Download im AS+ Webshop - Bestellung im Customer Care Center

Hinweise

ISO 26000 liegt in Österreich als Entwurf ÖNORM ISO 26000 ab 1. November 2009 in deutscher Sprache zur Stellungnahme durch die Öffentlichkeit auf.

Um eine möglichst breite und intensive Diskussion über die Inhalte der Norm zu erreichen, ist dieser Entwurf zur ISO 26000 ausnahmsweise kostenlos erhältlich.

Stellungnahmefrist: 1. November 2009 bis 31. Dezember 2009.

Das Formular zur Abgabe von Stellungnahmen sowie Hinweise zum Ausfüllen finden Sie in unserer Rubrik "Normen entwickeln - Stellungnahme".

Stellungnahmen/Kommentare senden Sie bitte an:
Dipl.-Ing. Dr. Karl Grün
Director Development
Austrian Standards Institute
E-Mail: karl.gruen(at)as-institute.at