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Archivmeldung Austrian Standards
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Um Fehlhandlungen der Technik zu ermitteln, und zu analysieren widmet sich die ÖVE/ÖNORM EN 62508 den menschlichen Aspekten der Zuverlässigkeit.

Wien (AS prm, 2011-09-13)

In der Wirtschaft kommen allerorten Systeme zum Einsatz, bei denen Menschen und Maschinen interagieren. Sei es beim computerunterstützten Konstruieren in der Planung, beim Einsatz von CNC-Automaten im Produktionsprozess oder – wie wir dieser Tage mit gemischten Gefühlen zur Kenntnis nehmen – beim internationalen Wertpapierhandel. Ob diese komplexen Systeme zuverlässig arbeiten, hängt von jedem einzelnen Element sowie von ihrer wechselseitigen Beeinflussung ab.

Systemerfordernis Zuverlässigkeit

Die Technik hat sich seit der Erfindung der Dampfmaschine rasant entwickelt und tut es nach wie vor. Und die Komplexität integrierter Schaltkreise – und damit die Rechenleistung von Computern – verdoppelt sich nach Moore´s Law annähernd alle 18 Monate. Nur ein Faktor in diesem System ist annähernd stabil geblieben: der Mensch. Die vor Kurzem herausgegebene ÖVE/ÖNORM EN 62508 widmet sich den menschlichen Aspekten der Zuverlässigkeit.

Jedes System hat ein Ziel, also eine Arbeitsanforderung, die mit einer definierten geforderten Wirksamkeit und Effizienz ein bestimmtes Ergebnis liefern soll. Wie nahe das Ergebnis der Zielvorgabe kommt, hängt von mehreren Einflussgrößen ab: vom Menschen, der die Aufgabe zu erfüllen hat, von der Maschine, die sie ausführt, und von sozialen und physischen Umweltfaktoren, die auf Mensch und Maschine einwirken. Als Maschine wird dabei ein interaktives System verstanden, welches das Erreichen des Systemziels unterstützt und dementsprechend gestaltet wurde.

Überwachen und steuern

Die Aufgabe des Menschen in einem solchen System ist es, die Maschine zu bedienen, um ein bestimmtes Ergebnis zu erzielen. Dabei kann er lediglich überwachen oder aktiv eingreifen und steuern. Die Maschine oder das System kann ihn dabei durch Rückmeldungen akustischer, visueller oder taktiler Art unterstützen. Derlei Sicherungssysteme können demnach als Alarmsirenen ausgeführt sein, als rot blinkende Warnlampen oder als drucksensitives Bremspedal, das den Lenker durch Widerstand zu sanfterem Bremsen veranlasst. Solche Rückmeldungen erhöhen das situative Bewusstsein der bedienenden Person. Gemeinsam mit geeigneten Schulungen und erworbenen Erfahrungen ermöglichen sie es dem Menschen, wirksamer zu arbeiten.

Credit: ASI prm

„Mängelwesen“ Mensch

Der Mensch sieht sich gerne als Krone der Schöpfung. Nicht völlig zu Unrecht, denn seine beeindruckende Ausstattung mit einer Vielzahl an physischen, kognitiven und psychischen Eigenschaften haben ihm eine beispiellose Entwicklung ermöglicht. Doch ebendiese Eigenschaften stellen auch grundsätzliche Einschränkungen dar, die bei der Entwicklung und Gestaltung von Systemen berücksichtigt werden müssen. Für einen Arbeitsplatz mit hoher Zuverlässigkeit sollte ein System demnach so gestaltet werden, dass sich die Belastung des Menschen durch die Arbeit, die Arbeitsumgebung und die technische Ausgestaltung innerhalb zumutbarer Grenzen bewegt.

Die ÖNORM EN 62508 behandelt auch jene Faktoren, die die Leistungsfähigkeit des Menschen innerhalb des Systems beeinflussen. Während externe Parameter von der Organisation und technischen Vorbedingungen abhängen, sind interne Größen wie Leistungsfähigkeit und Leistungsbereitschaft im Individuum selbst angelegt. Von großer Bedeutung sind hierbei die persönlichen Unterschiede hinsichtlich Eigenschaften, Fähigkeiten und Erfahrungen.

Die Leitlinie zu den menschlichen Aspekten der Zuverlässigkeit hilft, Potentiale für Fehlhandlungen zu ermitteln und diese zu analysieren, um Gegenmaßnahmen festzulegen. Und schließlich dabei menschliche Zuverlässigkeit quantifizierbar zu machen. Darüber hinaus behandelt die Norm auch so genannte kritische Systeme und den Einfluss, den Menschen darauf nehmen können.

Gestaltung für den Menschen

Um die bestmöglichen Ergebnisse für Systeme zu erzielen, sind die Grundsätze der menschbezogenen Gestaltung schon beim Entwurf und der Entwicklung zu beherzigen. Die potentiellen Benutzer sind von Beginn an und über den gesamten Systemlebenszyklus hinweg zu involvieren, ihre Erfahrungen und Beurteilungen sind in der Umsetzung zu berücksichtigen.

Denn nur Systeme, die auf die Möglichkeiten und Einschränkungen ihrer Benutzer Rücksicht nehmen, und deren Verwendungszusammenhang und korrekte Funktion von diesen auch verstanden wird, bringen optimale Ergebnisse hervor. Und sind – dank der Einhaltung der entsprechenden Normen – im Betrieb ebenso zuverlässig wie die Menschen, die sie bedienen und überwachen.


Bibliographie

ÖVE/ÖNORM EN 62508 Leitlinien zu den menschlichen Aspekten der Zuverlässigkeit