Sicher abgefertigt
Archivmeldung Austrian Standards
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Eine spätestens im Februar 2012 in Kraft tretende EU-Richtlinie verpflichtet Flughafenbetreiber, die jährlich mehr als zwei Millionen Passagiere abfertigen, zur Trennung der Bodenverkehrsdienste-Tätigkeiten. Rechtzeitig dazu wurde nun mit der ÖNORM EN 16082 ein Rahmen für einheitliche Flughafen- und Luftsicherheitsdienstleistungen geschaffen.
Wien (AS prm, 2011-11-17)
Praktisch jeder, der häufiger per Flugzeug unterwegs ist, kann Geschichten darüber erzählen: Die unterschiedlichen Sicherheitsvorschriften und -checks auf Flughäfen sorgen immer wieder für Verwirrung unter den Passagieren und bieten reichlich Gesprächsstoff.
Die 1989 gegründete „Confederation of European Security Services“ (CoESS), der Dachverband von 29 nationalen Arbeitgeberverbänden privater Unternehmen der Sicherheitsbranche, initiierte daher bereits 2008 die Arbeit an einer entsprechenden Europäischen Norm.
Das Dokument liegt nun seit 1. Oktober 2011 als ÖNORM EN 16082 vor und wurde im Technischen Komitee CEN/TC 384 „Flughafen- und Luftsicherheitsdienstleistungen“ erarbeitet, dessen Sekretariat von Austrian Standards Institute (ASI) geleitet wird.
„Diese Norm mit ihrem Fokus auf die Aus- und Weiterbildung der beschäftigten Personen verfolgt einen neuen, auf die handelnden Menschen bezogenen Ansatz. Sie legt erstmals europaweit Kriterien für die Qualität in Bezug auf Organisation, Prozesse, Personal und Verwaltung eines Sicherheitsdienstleisters fest“, unterstreicht Dipl.-Ing. Josef Winkler, zuständiger Komitee-Manager bei Austrian Standards.
EU regelt Bodenverkehr neu
Im Zuge ihrer Bemühungen um mehr Transparenz bei der Preisgestaltung von Flughäfen will die Europäische Union die Airports zwingen, die Bodenabfertigung auszugliedern. Ab fünf Millionen Passagieren sollen mindestens drei Bodendienst-Anbieter vorgeschrieben sein. Zudem soll jede Fluglinie an jedem Flughafen die Bodenverkehrsdienste selbst abwickeln dürfen. Zum Vergleich: Auf dem Flughafen Wien werden pro Jahr etwa 20 Millionen Passagiere abgefertigt, es sind derzeit zwei Abfertiger tätig.
In den letzten Wochen kam es deswegen bereits zu Streiks, da sich die Beschäftigten an den Flughäfen vor „Billigunternehmen“ und Lohndumping fürchten. „Die neue ÖNORM soll mit ihren hohen Qualitätsansprüchen dazu beitragen, dass auch im verstärkten Wettbewerb klar definierte Kriterien eingehalten werden. Die Schulung und Qualifizierung der Mitarbeiter ist dabei ein wesentlicher Bestandteil“, erläutert Winkler.
Schulung als zentraler Baustein
EN 16082 legt Qualitätskriterien für das Erbringen von Sicherheits- bzw. Sicherungsdienstleistungen für die zivile Luftfahrt fest, die von öffentlichen und privaten Kunden oder Abnehmern nachgefragt werden. Sie dient damit bei Ausschreibungen für die Auswahl, Zuteilung, Auftragsvergabe und Kontrolle des am besten geeigneten Anbieters.
In Bezug auf seine Mitarbeiter muss der Dienstleister ein klar umrissenes Regelwerk zur Qualitätskontrolle bezüglich der Leistungen des Personals umsetzen. Schon für die Basisschulung der zu lizenzierenden Sicherheitsmitarbeiter berücksichtigt ein detaillierter Plan die Bedürfnisse der Kunden, die Anforderungen offizieller Aufsichtsbehörden und juristische Aspekte der Aktivität. Der Lehrplan ist dem Auftraggeber zur Prüfung und Abnahme vorzulegen.
Die Basisschulung muss in einem Lernumfeld und unter Bedingungen durchgeführt werden, die Lernblockaden aufheben und den Lehr- und Lernprozess erleichtern, sowohl unter didaktischen als auch unter pädagogischen Gesichtspunkten.
Besondere Aufmerksamkeit wird auf die Motivation der Mitarbeiter gelegt: Ziel ist das verantwortungsvolle Handeln auch unter erschwerten Bedingungen wie Langeweile oder Schichtdienst.
Verschiedene Spezialschulungen sollen die Fähigkeiten der Mitarbeiter im Umgang mit den ihnen anvertrauten Aufgaben weiter verbessern: Sicherheitsbewusstsein, kommunikative Fähigkeiten, Kundenservice, je nach Einsatzgebiet Schulungen für die verschiedenen Luftsicherheitsaktivitäten bzw. die Gepäckbehandlung.
An den erfolgreichen Abschluss von Grund- und Spezialschulung schließt sich eine umfassende und überwachte Ausbildung am Arbeitsplatz an, die durch einen qualifizierten Ausbildungsleiter überwacht wird. Angesichts dieser auf über 25 Seiten festgelegten Kriterien kann man als Flugpassagier wohl darauf vertrauen, dass die ÖNORM EN 16082 den Umgang mit Sicherheitsdiensten auf Flughäfen verbessern und auf ein hohes und in Europa einheitliches Qualitätsniveau bringen wird.
Bibliographie
ÖNORM EN 16082 Flughafen- und Luftsicherheitsdienstleistungen

