Temperatur und Luftfeuchtigkeit

Archivmeldung des Austrian Standards Institute
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Experten aus zahlreichen Ländern entwickeln derzeit Europäische Normen, die schon bald neue Standards für Konservierung und Schutz von Kulturgut setzen. In Österreich wurde dazu 2008 bei Austrian Standards Institute das Komitee 255 "Konservierung von beweglichem und unbeweglichem Kulturgut" gegründet. Lesen Sie mehr

Für die Erhaltung von Kunstsammlungen ist das richtige Verhältnis von Temperatur und Luftfeuchtigkeit extrem wichtig

Wien (AS prm, 2009-09-04)

Besonders empfindlich reagiert Papier auf Schwankungen der Luftfeuchtigkeit. Es ist hygroskopisch, d. h., es gehört zu den Stoffen, die leicht Feuchtigkeit aus der Luft aufnehmen bzw. auch wieder abgeben. Zu hohe oder auch zu niedrige Luftfeuchtigkeit kann Säureschäden und zugleich den Schädlingsbefall begünstigen, oder es kommt zu einer Wellung des Papiers. Ebenso können Raum- und Außenklima bei ständigem Wechsel (Tag und Nacht, Witterungseinflüsse, Jahreszeiten) Papiere stark beanspruchen.

Aber nicht nur die Luftfeuchtigkeit, auch die Temperatur kann weitreichende Auswirkungen auf die Erhaltung des kulturellen Erbes haben. Die physikalischen Merkmale von Materialien ändern sich mit der Aufnahme oder Abgabe von Wärme. Bei sich ändernden Temperaturen dehnen sich Gegenstände aus oder ziehen sich zusammen. In der Normensprache ist dann von "Spannungs-Dehnungs-Kräften" die Rede.

Temperaturwechsel hat auch indirekte Auswirkung: steigt die Temperatur, so sinkt die relative Luftfeuchte, was dazu führt, dass Materialien, die Feuchtigkeit absorbieren, wie Holz, Papier oder Leder, schrumpfen oder verspröden.

Um hier richtig vorzugehen, werden derzeit die ÖNORMEN EN 15757 und EN 15758 vorbereitet. EN 15757 enthält allgemeine Festlegungen für die Temperatur und die relative Luftfeuchte, EN 15758 beinhaltet Festlegungen für Verfahren und Geräte zur Messung der Lufttemperatur und der Oberflächentemperatur von Kunstwerken.

Eines der wesentlichen Anliegen bei der Entwicklung der ÖNORM EN 15758 ist der Einsatz berührungsloser Verfahren, die es ermöglichen, Temperaturen auf heiklen und wertvollen Oberflächen ohne jeglichen physikalischen Kontakt zu messen. So wird das Kunstwerk nicht beschädigt.

Auch Überstellungen bzw. Übersiedlungen sind ein erhöhtes Risiko für Kunstwerke, denn jede Änderung gegenüber einem bestimmten historischen Klima stellt eine Gefahr dar, auch wenn die neuen Bedingungen in Hinblick auf die Erhaltung "besser" zu sein scheinen. Bei plötzlichen Änderungen können die Spannungs-Dehnungs-Kräfte zu einem "Klimaschock" führen, der Schäden verursacht.


Bibliographie

Erhaltung des kulturellen Erbes
ÖNORM EN 15757 … – Festlegungen für Temperatur und relative Luftfeuchte zur Begrenzung klimabedingter mechanischer Beschädigungen an organischen hygroskopischen Materialien (Entwurf)
ÖNORM EN 15758 … – Verfahren und Geräte zur Messung der Temperatur der Luft und der Oberflächen von Gegenständen (Entwurf)