Sicher durch den Winter
Archivmeldung Austrian Standards
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Wie Normen bei der Straßen- und Gehsteigreinigung helfen und den Winterdienst effizienter machen.
Wien (AS prm, 2010-11-09)
Ein verspäteter goldener Herbst soll nicht darüber hinwegtäuschen: Der Winter steht vor der Tür. Die Temperaturen können rasch sinken, Schnee und Eis den Verkehr behindern, Gehsteige und Straßen in spiegelglatte Rutschbahnen verwandeln. Höchste Zeit, die Wintergeräte einsatzbereit zu machen, Streu- und Auftaumittel bereitzustellen und Pläne für den kommunalen Winterdienst zu erstellen. Denn vorbereitet sein, ist dabei (fast) alles.
Damit dann, wenn Schnee fällt und Stürme mit Eisregen durchs Land fegen, alles reibungslos funktioniert, sorgt unter anderem eine Reihe von Europäischen Normen. Sie gewährleisten einerseits Sicherheit der Maschinen, Austauschbarkeit der Geräte, die an Fahrzeugen angebaut werden, und erhöhen die Effizienz. Denn ein strenger Winter kann das Budget von Gemeinden erheblich belasten.
Start der Normungsarbeiten in diesem Bereiche war bereits 2001 mit der Gründung des Komitees CEN/TC 337 „Produkte für den Straßenbetriebs- und Winterdienst“. Ziel der Normung, an der Experten aus ganz Europa mitwirken, ist es, einheitliche Anforderungen an die Geräte – also zum Beispiel Schneepflüge und -fräsen oder Streueinrichtungen festzulegen – ebenso an die Schnittstellen zwischen Fahrzeug und Gerät. Das soll nicht nur den Wettbewerb zwischen den Herstellern stärken und damit die Auswahlmöglichkeiten bei der Beschaffung vergrößern, sondern vor allem den Anwendern den Vorteil bieten, dass Geräte universell austauschbar sind. Einfach ausgedrückt: Der Schneepflug aus Frankreich soll zuverlässig an einen deutschen Lkw montiert werden können.
Ganz wesentlich dabei: die Sicherheit – ob beim Betrieb, bei der Wartung oder bei der Beladung. Dazu legt die ÖNORM EN 13021 europaweit gültige Sicherheitsanforderungen an alle Arten von Maschinen für den Winterdienst fest. Die Einhaltung dieser Norm, die sich in erster Linie an die Hersteller wendet, trägt dazu bei, Gefahren, die von Schneepflügen, Schneefräsen oder Streumaschinen ausgehen können, weitestgehend zu vermeiden oder zu reduzieren, so dass für alle Beteiligten ein sicheres Arbeiten auch unter schwierigen Wetterbedingungen möglich ist.
Spezielle Aufgaben – spezielle Normen
Neben den allgemeinen Sicherheitsfestlegungen für die Maschinen gibt es verschiedene Normen für spezielle Geräte, etwa Schneepflüge. Hier regelt ÖNORM EN 15583 Grundanforderungen und Abmessungen von pfeilförmigen und einseitigen Frontpflügen sowie von Seitenpflügen. Wichtige Details betreffen die richtige Montage und Demontage, Bodenfreiheit und die Überfahrsicherung bei Hindernissen. Der Teil 2 dieser Norm (derzeit noch Entwurf) wird Test- und Prüfverfahren behandeln. Ebenso ist daran gedacht, die nicht ganz einfache Frage der Räumqualität näher unter die Lupe zu nehmen.
Eine ähnlich anspruchsvolle Aufgabenstellung gibt es im Bereich Streumaschinen (ÖNORM EN 15597). Dabei geht es nicht nur um die Anforderungen an die Geräte, sondern in erster Linie um das Ergebnis und den effizienten Einsatz der Mittel, ob Streugut oder feste Taustoffe (mit und ohne Anfeuchtung) bzw. Taustofflösungen. Dazu wurde ein eigenes Testverfahren für das so genannte Streubild, d. h. die punktgenaue Verteilung der Mittel, entwickelt. Schließlich sollen Salz und Splitt dort hinkommen und wirken, wo sie gebraucht werden, um so letztlich auch den Verbrauch auf das notwendige Maß zu beschränken.
Weitere bereits bestehende Normen im Bereich Winterdienst betreffen die Schnittstellen für Frontanbaugeräte (ÖNORM EN 15432) sowie die Datenerfassung und -übertragung (EN 15430).
Ein besonders ehrgeiziges Projekt widmet sich derzeit den Straßen-Wetter-Informationssystemen (EN 15518). Dabei geht es um Messstellen und Geräte, aber auch um die Verarbeitung und Auswertung der Daten, um genaue Vorhersagen zu ermöglichen. Regeln will man dabei auch die mobile Erfassung von Straßenzustandsdaten.
Und spätestens im Frühjahr gilt es dann die Spuren des Winters bzw. des Winterdienstes zu beseitigen. „Winterdienst“ definiert übrigens ÖNORM EN 15144 (Winterdienstausrüstung) als „Gesamtheit der Maßnahmen zum Sicherstellen von Verkehrssicherheit, Mobilität und Wirtschaftlichkeit des Verkehrsablaufes im Winter“. Um liegen gebliebenes Streumaterial wieder einzusammeln, kommen üblicherweise Kehrmaschinen zum Einsatz. Ihre Einsatzbereiche und Klassifizierungen sind in ÖNORM EN 15429 zu finden. Derzeit wird noch an einem weiteren Teil gearbeitet, der eine objektive Beurteilung der Kehrleistung und der Reinigungsqualität ermöglichen soll.
Gute Planung, Einsatz der Verantwortlichen und Normen helfen somit, dass wir sicher durch den Winter kommen.
Bibliographie
Normen rund um den Winterdienst (Auswahl):
ÖNORM EN 13021 Maschinen für den Winterdienst – Sicherheitsanforderungen
ÖNORM EN 15144 Winterdienstausrüstung – Terminologie – Begriffe zum Winterdienst (mehrsprachige Fassung: de/en/fr)
ÖNORM EN 15583 Winterdienstausrüstung – Schneepflüge; Teil 1: Produktbeschreibung und Anforderungen;
Teil 2: Prüfkriterien und deren Anforderungen
ÖNORM EN 15597 Winterdienstausrüstung – Streumaschinen; Teil 1: Allgemeine Anforderungen und Angaben für Streumaschinen
ÖNORM EN 15432 Winterdienst- und Straßenbetriebsdienstausstattung; Mechanische Schnittstelle an Fahrzeugen für frontangebaute Maschinen – Austauschbarkeit
ÖNORM EN 15430 Winterdienst- und Straßenbetriebsdienstausstattung – Datenerfassung und -übertragung;
Teil 1: Datenerfassung im Fahrzeug;
Teil 2: Protokoll für den Datentransfer zwischen dem Informationsanbieter-Server und dem Client Anwenderserver (Entwurf)
ÖNORM EN 15518 Winterdienstausrüstung – Straßenzustands- und Wetterinformationssysteme;
Teil 1: Allgemeine Definitionen und Komponenten;
Teil 2: Straßenwetter – Empfohlene Beobachtung und Vorhersage;
Teil 3: Anforderungen an gemessen Werte der stationären Anlagen (Entwürfe)
ÖNORM EN 15429 Kehrmaschinen;
Teil 1: Klassifizierung und Terminologie;
Teil 2: Anforderungen an die Ausführung und Prüfverfahren (Entwurf)

