Europäischer Standard für Halal-Lebensmittel?

Archivmeldung Austrian Standards
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Arbeitsgruppe unter Leitung von Austrian Standards Institute analysiert Machbarkeit einer Europäischen Norm. Die erste Sitzung fand Ende Oktober 2010 in Wien statt.

Wien (AS prm, 2010-11-04)

In der Europäischen Union werden pro Jahr schätzungsweise 12 bis 15 Milliarden Euro mit Halal-Lebensmitteln umgesetzt. Darunter versteht man Lebensmittel, deren Verzehr nach islamischem Recht für Muslime erlaubt ist. Die französische Imbisskette Quick beispielsweise bietet ihren Kunden nur noch Halal-Fleisch an.

Dieser Markt – in der EU leben 16 Millionen Muslime – verzeichnet starke Zuwächse. Daniel Lucht, Senior Retail Analyst von Verdict Research in London, sieht auf Grund seiner Analysen Bedarf für einen einheitlichen Halal-Standard in Europa, um Vertrauen und Sicherheit sowohl innerhalb der gesamten Wertschöpfungskette als auch beim Konsumenten sicherzustellen.

Arbeitsgruppe „Halal-Lebensmittel“
Credit: ASI prm

Am 25. Oktober 2010 fand in Wien die erste Sitzung der neu gegründeten Arbeitsgruppe „Halal-Lebensmittel“ des Europäischen Komitees für Normung CEN unter Leitung von Austrian Standards Institute statt. An dieser Arbeitsgruppe wirken Expertinnen und Experten aus verschiedenen Ländern, darunter auch aus der Türkei und aus Bosnien-Herzegowina mit. Ebenso sind Vertreter europäischer Organisationen eingebunden, wie z. B. die Konsumentenvertretung in der Europäischen Normung ANEC oder die European Livestock and Meat Trading Union. Die Arbeitsgruppe (CEN/BT WG 212) hat die Aufgabe, die Machbarkeit einer Europäischen Norm zu analysieren, in der die Anforderungen an Halal-Lebensmittel geregelt werden sollen.

Eine Norm für alle Halal-Lebensmittel

In der ersten Sitzung wurde Einigung erzielt, dass eine künftige Europäische Norm alle Lebensmittel umfassen und sich nicht nur auf Fleischprodukte beschränken soll. Der Vorschlag, auch Produkte wie Arzneimittel und Kosmetika zu berücksichtigen, wurde vorerst abgelehnt. Ebenso wurde beschlossen, die gesamte Lebensmittelkette zu betrachten und nicht nur Teile davon, wie z. B. die Produktion.

Bei der Tagung wurden auch bisherige Erfahrungen in den Mitgliedsstaaten präsentiert und diskutiert, wie z. B. ob und welche anwendbaren Rechtsvorschriften und Standards es in den Ländern gibt, und nach welchen Referenzdokumenten etwaige Zertifizierungen durchgeführt werden.

Darüber hinaus wurde begonnen, eine Übersicht über islamische Glaubensgemeinschaften und deren Position in den verschiedenen europäischen Ländern zu erstellen. Es ist beabsichtigt, mit der Organisation der Islamischen Konferenz (OIC) zusammenzuarbeiten, um deren Erfahrungen bei Entwicklung von konsensbasierten Spezifikationen im Bereich Halal-Lebensmittel nutzen können.

All diese Vorarbeiten dienen dazu, die Entwicklung einer Europäischen Norm für Halal-Lebensmittel vorzubereiten, die von Muslimen auch anerkannt wird, deren Anforderungen im Einklang mit gültigen Rechtsvorschriften stehen und für die Akteure in der Lebensmittelkette auch umsetzbar sind.

In Österreich wurde bereits mit November 2009 die ON-Regel ONR 142000 „Halal-Lebensmittel - Anforderungen an die Lebensmittelkette“ veröffentlicht.


Bibliographie

ONR 142000 Halal-Lebensmittel - Anforderungen an die Lebensmittelkette