Lernen nach Maß
Internationale Norm ISO 29990 ermöglicht Zertifizierung von Lerndienstleistungen.
Wien (AS prm, 2011-04-06, aktualisiert 2012-03-16)
Die Beschleunigung und Globalisierung der Wirtschaft und ihrer Prozesse erzeugt einen permanenten Bedarf an zusätzlichen Qualifikationen. Begriffe wie „Change Management“ und „Lebenslanges Lernen“ begleiten uns ständig – das Geschäft mit der Fortbildung boomt. In diesem lukrativen Markt ist es nicht immer einfach, die Spreu vom Weizen zu trennen.
Für mehr Klarheit sorgt künftig die Internationale Norm ISO 29990, die erstmals ein weltweit einheitliches Qualitätsniveau für Bildungsdienstleister formuliert.
Stefan K. bietet seit gut 15 Jahren Fortbildungskurse im Managementbereich an. Sein Unternehmen zählt zu den etablierten und anerkannten Instituten, seine Kompetenz steht außer Frage. Trotzdem ärgert sich der Unternehmer über schwarze Schafe in seiner Branche. Immer wieder erzählen ihm Kunden von fragwürdigen Angeboten, die an sie herangetragen würden, berichten davon, dass Leistung und Kosten bei etlichen Mitbewerbern in keinem adäquaten Verhältnis stünden. Seriöse Anbieter wie Stefan K. konnten bislang nur auf ihren Namen vertrauen und durch die Qualität ihrer Dienstleistung überzeugen.
Susanne F. hat ein ganz anderes Problem, das aber ursächlich mit den Nöten von Herrn K. in Verbindung steht. Als Führungskraft im mittleren Management muss sie sich in unterschiedlichsten Bereichen fortbilden. Es gilt, ihre Führungsqualitäten ständig zu erweitern, ihre Soft Skills laufend zu optimieren. Ihre Mailbox wird von einer Vielzahl an Bildungsangeboten geflutet. Bei der Auswahl verließ sie sich bis dato auf eigene Erfahrungen, Empfehlungen von Freunden und Kollegen und letztlich auf ihr Gefühl.
Mit ISO 29990 liegt nun ein – für Anbieter wie Lernwillige – probates Instrument zur Bewertung von Lerndienstleistungen vor. Dieser Servicestandard macht Einrichtungen der Aus- und Weiterbildung nach objektiven Kriterien zertifizierbar und schafft damit eine Datenbasis zu ihrer Vergleichbarkeit. Anbieter können so nicht nur ihre Qualität objektiv belegen, den Unternehmen steht damit auch ein eigenes, auf ihre spezifischen Bedürfnisse zugeschnittenes Qualitätsmanagementsystem zur Verfügung.
Dazu definiert ISO 29990 grundlegende Anforderungen an Lerndienstleister in der Aus- und Weiterbildung. Im Wesentlichen fokussiert die Norm auf die Lerndienstleistung selbst und das Management des Anbieters. Fortbildungswillige und diejenigen, die für das Angebot bezahlen, sollen damit bei der Auswahl eines geeigneten Lerndienstleisters unterstützt werden. Für die Beurteilung maßgeblich sind die Lernenden, die Dienstleistung, das Lernergebnis und die Kompetenzen des Lerndienstleisters.
Ermittlung des Lernbedarfs, Überprüfung der Dienstleistung
Zu Beginn der Evaluierung wird geprüft, ob Inhalte und Prozesse den Qualifikationen des Anbieters und den Erfordernissen und Fertigkeiten des Lernenden entsprechen. Lernmaterialien und Methoden werden in Bezug auf ihre Eignung, die fachliche Richtigkeit und ihre Ausrichtung an Lernergebnissen untersucht.
Dazu ist vom Anbieter ein Konzept für den Lernprozess vorzulegen, das die Definition der Ziele, Inhalte und Didaktik sowie die Lernergebnisse und Bewertungsprozesse beinhaltet. Ob Lehrenden wie Lernenden die notwendigen Ressourcen und eine angemessene Lernumgebung zur Verfügung stehen, fließt ebenso in die Bewertung ein wie die Qualität der Evaluierung durch den Dienstleister selbst.
Qualitätsmanagement und -sicherung
Die Anwendung der Norm beinhaltet für den Anbieter eine Reihe von Verbindlichkeiten. Der Lerndienstleister muss einen Geschäftsplan samt Finanz- und Risikomanagement erstellen und Verfahren zur regelmäßigen Überprüfung seiner Managementsysteme definieren.
Die notwendigen Kernkompetenzen aller Mitarbeiter sind nachzuweisen und zu überprüfen, ihre Anforderungsprofile müssen eingeschätzt und einer Bewertung unterzogen werden. Dazu sind auch Feedbackmöglichkeiten zu Leistungen und Kompetenzen der Lehrenden einzurichten. Und natürlich besteht für Lehrende genauso die Verpflichtung zu lernen – die Mitarbeiter haben sich weiterzubilden.
Durch diese eingehende Evaluierung und Bewertung rückt die Erstellung eines umfassenden Qualitätsmodells für Lerndienstleistungen in greifbare Nähe. Am Ende des Weges steht eine gemeinsame Referenz für Anbieter und Kunden zur Planung, Entwicklung und Durchführung von Aus- und Weiterbildung sowie zur Förderung von Entwicklung.
Dr. Hermann Huemer, zuständiger Komiteemanager bei Austrian Standards Institute, fasst zusammen: „Die ISO 29990 ist letztlich auch eine Reaktion auf die Bedürfnisse des Markts. Anbieter von Lerndienstleistungen haben vielfach den Wunsch geäußert, ihre Kompetenz und Seriosität objektiv darstellen zu können. Auf der anderen Seite wollen Kunden die Sicherheit, dass Unternehmen und Angebote in diesem Bereich seriös und zuverlässig sind.“
Bibliographie
ISO 29990 Lerndienstleistungen für die Aus- und Weiterbildung – Grundlegende Anforderungen an Dienstleister
