Nachhaltig Bauen

Archivmeldung des Austrian Standards Institute
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Die Normung liefert dazu wichtige Instrumente

Wien (AS prm, 2009-03-27)

Nachhaltigkeit, nachhaltiges Bauen, Sustainability – Begriffe, die heute im gesellschaftlichen, politischen und bautechnischen Leben stets präsent sind. Der Begriff "Nachhaltigkeit" kommt eigentlich aus der Forstwirtschaft und bedeutet, dass aus einem Wald immer nur so viel Holz entnommen wird, wie nachwachsen kann. Im Prinzip könnte man auch von vernünftigem und schonendem Umgang mit den vorhandenen Ressourcen sprechen.

Bau-Verschalung
Credit: AS prm

Das gilt nicht nur für den Wald, das gilt zunehmend für den gesamten Bereich des Bauens. Denn nicht zuletzt auf Grund der steigenden CO2-Emissionen und der von Klimaforschern prognostizierten Klimaerwärmung hat man sich auf internationaler und auf europäischer Ebene darauf verständigt, Maßnahmen zu setzen, um diesen Entwicklungen entgegenzusteuern. Die Normung liefert dafür wichtige Instrumente.

Bewertungsmethoden und Leistungsindikatoren

Im Europäischen Komitee für Normung CEN wurde 2005 auf Basis eines Mandats der Europäischen Kommission das Technische Komitee CEN/TC 350 "Sustainability of construction works" gegründet. Experten aus ganz Europa arbeiten dort an der Entwicklung harmonisierter Bewertungsmethoden und Leistungsindikatoren der umweltbezogenen Qualität von Gebäuden.

In Österreich hat man dazu als Spiegelgremium die Arbeitsgruppe AG 011.10 gegründet, die diese europäischen Arbeiten aktiv mitgestaltet. Ziel ist es, technische Regelwerke zu schaffen, die z. B. Anforderungen an die drei Säulen der Nachhaltigkeit (ökologische, ökonomische und soziale) definieren, um eine Bewertung (LCA – Life Cycle Assessment) der möglichen Auswirkungen eines Bauprodukts oder eines ganzen Gebäudes auf die Umwelt während der gesamten Lebenszeit zu ermöglichen oder Produkt-Levels einzuführen, um für umweltrelevante Anforderungen einheitliche Eingangsparameter zu schaffen.

Ein erster Entwurf einer Technischen Spezifikation (TS) liegt bereits vor: CEN/TS 15643-1 "Nachhaltigkeit von Bauwerken – Rahmenbedingungen für die Beschreibung der integralen Qualität von Gebäuden; Teil 1: Analyse der Umweltqualität, der Gesundheitsverträglichkeit, des Behaglichkeitsniveaus sowie der auf einer Betrachtung von Lebenszykluskosten basierenden Wirtschaftlichkeit". Diese Spezifikation wird die Basis für künftige, derzeit in Entwicklung befindliche Normen liefern, die voraussichtlich ab 2010 zur Verfügung stehen.

Gesamtheitliche Bewertung

Dies könnte die Grundlage für Gebäudezertifizierungen sein, wie sie bereits in den USA üblich sind und die u. a. auch die Nachhaltigkeit behandeln. Im Zuge der EU-Gesamtenergieeffizienz-Richtlinie "Directive 2002/91/EC of the energy performance of buildings (EPBD)", die eine energetische Bewertung von Gebäuden fordert (in Österreich umgesetzt durch das Energieausweis-Vorlagegesetz), sollen künftig Grundlagen zur Verfügung stehen, die eine gesamtheitliche Bewertung ermöglichen.

Eine Forderung, die auch der im Mai 2008 veröffentlichte Entwurf zur neuen Europäischen Bauprodukteverordnung vorsieht. Darin findet sich die "Basisanforderung 7" mit dem Auftrag zur "nachhaltigen Nutzung der natürlichen Ressourcen".

Paradigmenwechsel

Insgesamt ist damit ein Paradigmenwechsel im Gange: Einerseits steht dem Verbraucher mit dem Energieausweis ein Instrument zur Verfügung, das den Energiebedarf für Gebäude und Teile (z. B. Wohnungen) transparent und vergleichbar macht. Andererseits wird künftig einer kritischen Bewertung des Umgangs mit vorhandenen Ressourcen (z. B. Energie) bzw. mit den unterschiedlichsten Bauprodukten immer mehr Relevanz zukommen.


Bibliographie

CEN/TS 15643-1 Nachhaltigkeit von Bauwerken – Rahmenbedingungen für die Beschreibung der integralen Qualität von Gebäuden; Teil 1: Analyse der Umweltqualität, der Gesundheitsverträglichkeit, des Behaglichkeitsniveaus sowie der auf einer Betrachtung von Lebenszykluskosten basierenden Wirtschaftlichkeit