Mauertrockenlegung mit „ÖNORMER“ Wirkung
Archivmeldung Austrian Standards
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Gebäuderenovierungen stehen hoch im Kurs. Neben historischem Ambiente erwirbt man mit dem Kauf eines alten Hauses mitunter Mängel, wie veraltete Installationen, undichte Fenster oder feuchte Wände, die einer Sanierung bedürfen. Worauf man bei der Trockenlegung von Mauern achten muss, regelt eine Reihe neuer ÖNORMEN.
Wien (AS prm, 2011-03-23)
Bei Feuchtigkeitsschäden an Gebäuden kommt es nicht nur zu optischen Beeinträchtigungen, sie schmälern die Wohnqualität und stellen langfristig ein hohes Gesundheitsrisiko dar. Grundsätzlich gilt: Abwarten erhöht die Kosten. Aber auch dem erfahrensten Handwerker ist vom „Selbermachen“ abzuraten. Mauertrockenlegung gehört in die Hände von Fachleuten.
„Bei der dreiteiligen ÖNORM B 3355 kann man von einer einzigartigen Leistung sprechen, um die uns andere Länder beneiden. Gemeinsam mit der Werkvertragsnorm B 2202 bietet sie eine umfassende Entscheidungshilfe für Maßnahmen bei Trockenlegungen von Gebäuden. Vor allem auf die richtige Baudiagnostik wird hier besonders Wert gelegt, da bei falschen Sanierungsmaßnahmen irreparable Schäden auftreten können“, sagt der zuständige Komitee-Manager von Austrian Standards Institute, Ing. Mag.arch. Elgar Zöhrer.
Die richtige Bauwerksdiagnose
Entscheidend für die Wahl der richtigen Methode ist eine umfassende Zustandserhebung der Materialien, der Nutzungsart und der Ursache des Feuchtigkeitseintritts. Grundsätzlich unterscheidet man Kondensationsfeuchte, aufsteigende Bodenfeuchtigkeit oder seitlich eindringendes Wasser. Mit Hilfe von Mauerproben werden die benötigten Messwerte, wie z. B. der Durchfeuchtungsgrad oder der Feuchtigkeitsgehalt, aber auch die Konzentration von Salzen ermittelt. Je nach Anforderung erstellt der Fachmann ein Sanierungskonzept mit zeitlich aufeinander abgestimmten Maßnahmen.
Neben zahlreichen, wissenschaftlich anerkannten Verfahrensgruppen, deren praktische Tauglichkeit erwiesen ist und die in der ÖNORM Erwähnung finden, gibt es noch zahlreiche mauerkontaktlose Verfahren, wie z. B. solche, die mit Radio- und Funkwellen, Magnetfeldern oder Erdstrahlen arbeiten und die in Fachkreisen immer wieder Diskussionsstoff bieten.
Drei Verfahrensgruppen zur Mauertrockenlegung
Bei den mechanischen Verfahren wird das Aufsteigen der Feuchtigkeit durch „Aufschneiden“ des Gebäudes und Einbringen von Füllmasse oder Metallplatten verhindert. Mögliche Schäden am Mauerwerk durch Erschütterungen, die hier auftreten können, entfallen beim so genannten Injektionsverfahren. Chemische Bestandsanalysen des Mauerwerks und der Durchfeuchtungsgrad sind wesentliche Entscheidungskriterien für diese Verfahren, bei denen Injektionsmittel eingebracht werden und so die wasserdurchlässigen Poren verschließen.
Die dritte große Gruppe stellen die elektrophysikalischen Verfahren dar, die sich z. B. für denkmalgeschützte Gebäude besonders eignen, da hier das Mauerwerk nicht abgeschlagen werden muss und so die ursprüngliche Fassade erhalten bleibt. Mauerdicke, Arbeitsraumbreite, Art der Mauer, das Porenvolumen oder die benachbarten Bauteile finden sich unter den Auswahlkriterien der ÖNORM zur richtigen Verfahrenswahl.
Flankierende Maßnahmen bei der Mauertrockenlegung
Um den kapillaren Aufstieg von Feuchtigkeit zu verhindern, sieht die ÖNORM im 3. Teil flankierende Maßnahmen vor. Sie dienen primär zur statisch-konstruktiven Sicherung des Mauerwerks, zur Schaffung von günstigen Umgebungsbedingungen für die Austrocknung und zur Reduzierung des Feuchtigkeits- und Wasserzustroms.
Durch unterschiedliche Heizmethoden, wie mit flächigen Bohrlochrastern bis hin zu Verfahren der Mikrowellen- und Vakuumtechnik, wird die Austrocknung wesentlich beschleunigt.
Salz, das sich teilweise in hohen Konzentrationen durch lange vorherrschende Feuchtigkeitsansammlungen in den Wänden ablagert, wird durch mechanische Verfahren – wie z. B. Sandstrahlen, Anbringen eines so genannten Opferputzes oder durch elektrophysikalische Verfahren – entfernt. Unterschiedlichste Vertikalabdichtungen, Drainagierungen, aber auch zum Beispiel geeignete Putze und Anstriche kommen bei der Mauertrockenlegung zielgerichtet zum Einsatz.
Trockene Mauern sichern nicht nur langfristig den Wert eines Gebäudes und die Lebensqualität seiner Benutzer, sondern leisten auch einen wesentlichen Beitrag zur Energieeffizienz. Durch Beratung von Experten können irreparable Schäden vermieden und hoher Wohnkomfort auch in alten Mauern erreicht werden.
Bibliographie
ÖNORM B 3355 Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk;
Teil 1: Bauwerksdiagnose und Planungsgrundlagen
Teil 2: Verfahren gegen aufsteigende Feuchtigkeit im Mauerwerk
Teil 3: Flankierende Maßnahmen
ÖNORM B 2202 Arbeiten gegen aufsteigende Feuchtigkeit bei Trockenlegung von feuchtem Mauerwerk – Werkvertragsnorm

