Vor dem Bauprojekt ist nach dem Bauprojekt

Archivmeldung Austrian Standards
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Rechnungshof fordert öffentliche Auftraggeber zu Anti-Claim-Management auf.

Wien (AS prm, 2010-09-15)

Laut Rechnungshof greifen österreichische Bauunternehmen immer öfter zum Mittel des Claim-Managements (Strategie von Auftragnehmern bei Bauvergaben, Abweichungen vom vertraglich Vereinbarten zu erkennen und daraus Ansprüche geltend zu machen).

Das Projektmanagement von großen Bauvorhaben ist keine leichte Aufgabe und nach Planung und Ausführung nicht zu Ende. Als wichtiger Schritt folgen Endkontrolle und Rechnungsüberprüfung.

Bei komplexen Projekten kann es durch verschiedene Umstände Abweichungen vom ursprünglichen Plan geben. Dann kommt das Nachforderungs- bzw. Claim-Management ins Spiel.

Ziel ist, die bei Vertragsabschluss nicht vorhersehbaren Ereignisse im Projektverlauf in ihren finanziellen Konsequenzen einvernehmlich zwischen Arbeitnehmer und Auftraggeber zu klären.

Mögliche Gründe für Nachforderungen können eine unvollständige oder unklare Beschreibung des Auftrags bzw. spätere Änderungswünsche im Liefer- und Leistungsumfang sein.

Für öffentliche Auftraggeber ist eine unvorhersehbare Kostenentwicklung ein Gefahrenpotential. Daher empfiehlt der Rechnungshof das rasche Einsetzen von geeignetem Personal zum professionellen Betreiben eines Anti-Claim-Managements in den Bereichen Angebotsprüfung, Vergabe und Bauabwicklung.

Austrian Standards plus Trainings bietet im Herbst 2010 einen neu ins Leben gerufenen Lehrgang zum zertifizierten Anti-Claim-Manager an. Nach Abschluss des Lehrgangs besteht die Möglichkeit, durch Ablegung einer Prüfung das international gültige Personenzertifikat „Zertifizierter Anti-Claim-Manager“ zu erlangen.

Ziel dieses Lehrgangs ist, das komplexe juristische und bauwirtschaftliche Reglement eines Bauvertrags besser verstehen zu lernen. So können einerseits Fehler auf Bauherrenseite bereits im Ausschreibungsstadium vermieden (und somit das Claim-Potenzial verringert) und andererseits überhöhte und ungerechtfertigte Claims abgewehrt werden.

Ein weiterer Schwerpunkt liegt im Miteinander auf der Baustelle und in den zahlreichen gemeinsamen Sitzungen (Vertrags-, Nachtrags- und technischen Besprechungen). Konfliktvermeidungs- und Schlichtungsstrategien werden aufgezeigt, der faire und korrekte Umgang mit den Partnern mittels Durchspielen einer Sitzung geübt. 

Nach Ansicht der Lehrbeauftragten sollte im Zuge des so genannten „Anti-Claimings“ nie vergessen werden, dass ein verstärktes Gegeneinander auf der Baustelle die Fronten verhärten lässt und daher projektschädlich ist.