Energiekosten für Straßenbeleuchtung senken
Archivmeldung Austrian Standards
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Aktuelle österreichische Ergänzung zur Europäischen Norm berücksichtigt das tatsächliche Verkehrsaufkommen.
Wien (AS prm, 2011-10-05)
Der Herbst zieht gerade ins Land. Die prächtige Verfärbung unserer Laubwälder verkündet nicht nur den Wechsel der Jahreszeiten, sie macht uns auch bewusst, dass die Tage wieder kürzer und die Nächte länger werden. Und die Lichter in Stadt und Land wieder früher angehen.
Im kommunalen Bereich bedeutet das einen erheblichen Mehrverbrauch an elektrischer Energie, denn die ausreichende Beleuchtung von Plätzen und Verkehrswegen dient der öffentlichen Sicherheit.
Für die Planung und Dimensionierung von Straßenbeleuchtungen bieten sich ÖNORM CEN/TR 13201-1 und ÖNORM EN 13201-2 bis -4 an. Die vierteilige Norm hilft, die richtigen Beleuchtungsklassen entsprechend der bestimmenden Gütemerkmale auszuwählen und gibt Auskunft über die korrekten Messmethoden zur Bestimmung des Beleuchtungsniveaus.
Tatsächlicher Verkehr versus Durchschnitt
Mit diesen europaweit gültigen Normen lassen sich also kommunale Straßenbeleuchtungsanlagen von Planern – seien es Architekten, Lichttechniker oder Verkehrsplaner – verbindlich konzipieren. Der Pferdefuß dabei: Die Anlagen werden so ausgelegt, dass Straßen entsprechend den durchschnittlichen Verkehrsverhältnissen eines gesamten Tages beleuchtet werden.
Eine viel befahrene Hauptstraße muss klarerweise heller beleuchtet sein als eine kleine Nebengasse. Warum aber der Verkehrsfluss zur Stoßzeit das Beleuchtungsniveau in der Nacht bestimmt, ist weniger nachvollziehbar. Bislang erfolgte die normgemäße Planung der Beleuchtungsanlagen für nur eine bestimmte Verkehrssituation, das tatsächliche, sich verändernde Verkehrsaufkommen fand dabei keine Berücksichtigung.
Lange Zeit spielte das auch keine allzu große Rolle. Der Energieverbrauch war eine vernachlässigbare oder besser gesagt eine vernachlässigte Größe. Doch in Zeiten von Kyoto-Protokoll und Glühlampenverbot sucht man allerorten nach Einsparungspotentialen. In Europa werden 14 Prozent des jährlichen Stromverbrauchs für Beleuchtung aufgewendet, das entspricht 180 Millionen Tonnen CO2-Emissionen.
Durch verbessertes Lichtmanagement im öffentlichen Bereich sehen Experten Einsparungsmöglichkeiten von bis zu 50 Prozent der Energiekosten. Ein durchaus überzeugendes Argument, sich der Regelung des Beleuchtungsniveaus anzunehmen.
Wie ein sicherheits- und verkehrsrelevantes Lichtmanagement in Abhängigkeit vom Verkehrsfluss zu planen und umzusetzen ist, regelt die neue ÖNORM O 1053. Sie ist eine nationale Ergänzung zur vierteiligen Europäischen Norm und berücksichtigt bei der Auswahl der Beleuchtungsklassen den situativen Verkehrsfluss. Somit kann das notwendige Beleuchtungsniveau dem tatsächlichen Verkehrsaufkommen entsprechend festgelegt werden.
Erstmals normgerechte Planungsgrundlage
Dipl.-Ing. Dr. Nikolaus Thiemann, Vorsitzender der Arbeitsgruppe „Licht im Außenbereich“ im Komitee für „Optik und Lichttechnik“ bei Austrian Standards Institute, unterstreicht die Bedeutung dieser österreichischen Ergänzung: „Die ÖNORM O 1053 berücksichtigt die maßgebliche Verkehrsmenge bei der Auswahl der Beleuchtungsklassen. Dadurch gibt es erstmals eine normgerechte Handlungsanleitung für die Reduktion der Beleuchtung und damit eine Möglichkeit, den Energieverbrauch von Straßenbeleuchtungsanlagen rechtssicher zu reduzieren.“
Da eine Europäische Norm zu diesem Thema gerade in Planung ist, stehen die Chancen gut, dass die in Österreich gefundene Lösung Eingang in das künftige europäische Regelwerk findet. Bis dahin können Lösungen mit Hilfe der nationalen Ergänzung, wie sie in ÖNORM O 1053 enthalten sind, gefunden werden.
Literaturtipp
Lichttechnische Gesellschaft Österreichs (LTG)/Arbeitskreis Öffentliche Beleuchtung (AKÖB) (Hrsg.):
Licht im öffentlichen Raum – Der praxisorientierte Leitfaden durch die Außenbeleuchtung
1. Auflage 2011, 144 Seiten, kart.;
Austrian Standards plus Publishing (Best.-Nr.: ON-V 300)
ISBN 978-3-85402-226-8
Preis: EUR 69,00 (zzgl. USt. und Versand)
Bibliographie
ÖNORM O 1053 Straßenbeleuchtung – Auswahl der Beleuchtungsklassen – Berücksichtigung des situativen Verkehrsflusses – Nationale Ergänzung zu ÖNORM CEN/TR 13201-1 und ÖNORMEN EN 13201-2 bis -4
ÖNORM CEN/TR 13201-1 Straßenbeleuchtung; Teil 1: Auswahl der Beleuchtungsklassen
ÖNORM EN 13201 Straßenbeleuchtung;
Teil 2: Gütemerkmale;
Teil 3: Berechnung der Gütemerkmale;
Teil 4: Methoden zur Messung der Gütemerkmale von Straßenbeleuchtungsanlagen

