2011: Was bringt die Norm dem Bau?

Archivmeldung Austrian Standards
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Normen machen Bauwerke stabil und dauerhaft, Normen selbst aber sind beweglich. Denn Standards werden laufend der aktuellen technischen Entwicklung an neue und künftige Gegebenheiten angepasst.
Ein Ausblick auf kommende Highlights des Jahres 2011.

Wien (AS prm, 2010-12-02)

Mehr denn je ist der Baubereich von Normen geprägt. CONNEX hat bei den zuständigen Komitee-Managern von Austrian Standards Institute nachgefragt, was sich 2011 ändern wird, mit welchen Neuerungen zu rechnen ist. 

Komitee-Managerin Alexandra Gapp, unter anderem zuständig für die Bereiche Zement/Kalk und Holz wartet mit „der“ Betonnorm auf: „Zumindest als Entwurf soll 2011 eine Neufassung der ÖNORM B 4710-1 vorliegen, die Festlegungen für Herstellung, Verwendung und Konformitätsnachweis von Beton umfasst.“ Anlass dafür sind, wie in vielen anderen Bereichen, die Arbeiten auf europäischer Ebene, wo gerade die grundlegende ÖNORM EN 206 überarbeitet wird.

Auch bei den Eurocodes, den seit Juli 2009 in Österreich gültigen neuen europäischen Bemessungsregeln im Bauwesen, ist einiges in Bewegung, wie Roman Schremser berichtet. Die nationale Umsetzung zum Eurocode 7-2, der die vor jedem Bauvorhaben notwendigen geotechnischen Untersuchungen regelt, ist in die entscheidende Phase getreten.

Im Frühjahr soll der Entwurf zur ÖNORM B 1997-2 vorliegen. Schremser: „Die Neufassung wartet mit einem ganz wichtigen Anhang auf: Wie geht man auf einem Baugelände vor, auf dem möglicherweise noch Kampfmittel, Bomben und Blindgänger aus dem 2. Weltkrieg verborgen sind?“ Große Bauvorhaben, wie der neue Wiener Hauptbahnhof oder andere Infrastrukturbauten, haben dieses Problem ins Bewusstsein gerückt. Jetzt versucht man, das Thema erstmals normativ zu regeln, um die Sicherheit der Bauarbeiter zu erhöhen.

Intensiv gearbeitet wird laut Schremser auch an weiteren nationalen Umsetzungsnormen für die Eurocodes im Komitee 176 „Belastungsannahmen im Bauwesen“. Zu erwarten sind Entwürfe zur Tragwerksplanung (B 1990-1), zur Temperatureinwirkung (B 1991-1-5) und zur gerade in Wien – Stichwort Dachausbauten – heftig diskutierten Erdbebeneinwirkung (B 1998-1).

Ein völlig neues Kapitel wird derzeit beim Schutz vor Naturgefahren aufgeschlagen: Erstmals wird es 2011 mit der ONR 24806 ein Regelwerk für Lawinenschutzeinrichtungen geben, mit der Bemessung und konstruktive Ausgestaltung auf eine einheitliche Basis gestellt wird.

Ein dichtes Arbeitsprogramm haben auch die Bauwirtschaft-Komitees bei Austrian Standards – vom Vergabe- und Verdingungswesen bis zum Facilitymanagement.

Komitee-Manager Heimo Ellmer wartet mit einigen Neuigkeiten auf: Gleich vorne weg mit Neuerungen bei den Vertragsbestimmungen für Bauleistungen. Die ÖNORMEN B 2110 sowie B 2118 (Großprojekte unter Anwendung des Partnerschaftsmodells) und A 2060 (Vertragsbestimmungen für Leitungen) werden an das Insolvenzrechtsänderungsgesetz 2010 angepasst.

Mehr Effizienz

Mehr Effizienz im gesamten Baugeschehen und gleich auch in der nachfolgenden Bewirtschaftung und Nutzung ist das Ziel der für 2011 geplanten Normen im Verdingungswesen bzw. im Gebäude- und Facilitymanagement.

Die geplante ÖNORM A 2063 soll den elektronischen Austausch von Leistungsbeschreibungs-, Ausschreibungs-, Angebots-, Auftrags- und Abrechnungsdaten vereinfachen – von der Planung über die Ausstattung der einzelnen Räume bis hin zur Erstellung des Energieausweises.

Und um die Kosten insgesamt besser im Griff zu haben, wird 2011 die ÖNORM B 1801 erweitert. Während der schon gültige Teil 1 regelt, wie die Kosten der Objekterrichtung bei Neu- und Umbauten zu erfassen sind, wird der kommende Teil 2 Hilfestellung bei der Gliederung und Darstellung der Kosten im Objektmanagement liefern, und Teil 3 wird eine standardisierte Gliederung und Codierung nach Bautyp und der Nutzungsart bringen.

Ellmer: „Klassifizierung und durchgängige Codierung ermöglichen eine übersichtliche Darstellung von Eigenschaften, um Objekte und besser vergleichen zu können. Strukturierte statistische Auswertungen und die Bildung von Kennzahlen werden so wesentlich leichter.“

Und damit Streitigkeiten über Nutzflächen, beispielsweise von Miet- oder Eigentumswohnungen ein Ende haben, wird die Ermittlung der Flächenmaße und Rauminhalte neu geregelt. Dafür werden ab 2011 die ÖNORMEN B 1800 und EN 15221-6 zur Verfügung stehen. 

Ein Jahr der Barrierefreiheit

2011 wird, so ist Stefan Wagmeister überzeugt, „ein Jahr der Barrierefreiheit“sein. Bereits im Frühjahr ist mit der Neuausgabe der Planungsgrundlagen für barrierefreies Bauen (ÖNORM B 1600) zu rechnen. Wagmeister: „Das ist eine komplette Überarbeitung, die mit den Entwicklungen bei den OIB-Richtlinien, speziell der Richtlinie 4 – Nutzungssicherheit und Barrierefreiheit“, abgestimmt wurde. In der Folge werden auch die weiteren Normen dieser Reihe überarbeitet.“

Die Revision und Neuausgabe der OIB-Richtlinien, die in Kürze bevorsteht, hat auch Auswirkungen auf die Bauphysik-Normen, wo einiges zu adaptieren sein wird. Beispiel dafür ist der Wärmeschutz im Hochbau – ob Regeln zur Vermeidung sommerlicher Überwärmung, wenn keine mechanische Kühlung vorgesehen ist (ÖNORM B 8110-3) oder die Entwicklung von Rechenwerten (ÖNORM B 8110-7), damit sich Energiekennzahlen für den Energieausweis hinreichend sicher berechnen lassen und dem technischen Fortschritt Rechnung tragen und so die EU- Richtlinie über die Gesamtenergieeffizienz umsetzbar wird.

Alles unter Dach und Fach

Und damit im wahrsten Sinn alles unter Dach und Fach ist, ist noch mit einer neuen Norm für die Planung und Ausführung von Unterdächern und Unterspannungen (ÖNORM B 4119) zu rechnen.

Ellmer: „Unterdächer als zusätzliche, wasserableitende Schichten unter Dacheindeckungen sind heute der übliche Standard bei gedeckten Dächern. Hier wirken Zimmerer, Dachdecker und Bauspengler zusammen, wodurch es immer wieder zu schwierigen Haftungsabgrenzungen und Problemen mit den jeweiligen Prüf- und Warnpflichten kommen kann. Die Norm wird hier Klarheit bringen.“

Passend dazu dann auch die geplante Neufassung der Planungs- und Ausführungsnorm für Dacheindeckungen und Wandverkleidungen (B 3419) und Dachabdichtungen (B 3691) sowie die Werkvertragsnormen für Dachdeckerarbeiten (ÖNORM B 2219) und Schwarzdeckerarbeiten (B 2220).