100 m² sind 100 m² – manchmal auch nicht.

Archivmeldung Austrian Standards
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Zwei neu veröffentlichte Normen sorgen für die zuverlässige Ermittlung von Flächen und Rauminhalten von Bauwerken.

Wien (AS prm, 2011-12-07)

100 m² sind 100 m² – sollte man meinen. Wie so oft entscheidet auch bei Flächen die Sichtweise über die Ermittlung. So verstehen Bauträger, Makler und Mieter unter einer Netto-Grundfläche häufig Unterschiedliches, zumal im europäischen Raum. Abhilfe schaffen hier zwei mit 1. Dezember 2011 veröffentlichte Normen.

Will man ein Haus, eine Wohnung oder eine gewerbliche Immobilie mieten oder kaufen, so sieht sich man mit Begriffen wie Netto-, Nutz-, Gebäude- oder Grundfläche konfrontiert. Beim Lokalaugenschein wird rasch deutlich, dass diesen Begriffen, die mitunter recht willkürlich verwendet werden, unterschiedliche Mess- und Berechnungsmethoden zugrunde liegen.

Die am 1. Dezember 2011 veröffentlichte ÖNORM EN 15221-6 „Flächenbemessung im Facility Management“ vereinheitlicht die Ermittlung, Zuordnung und Widmung von Flächen innerhalb der europäischen Staaten. Die Neuveröffentlichung der ÖNORM B 1800 behandelt alte (österreichische) und neue (europäische) Begrifflichkeiten, nimmt Zuweisungen zu Nutzungsgruppen vor und thematisiert vor allem Begriffe und Berechnungsmethoden für Rauminhalte.

Ausschlaggebend für die Aktualisierung der ÖNORM B 1800 war die nötige Übereinstimmung mit der Europäischen Norm. Letztere behandelt die Flächenmessungen im Facility Management und dient künftig als Referenz bei der Ermittlung von Flächen von Gebäuden im Eigentum, für Mietzwecke oder für Berechnungen in den unterschiedlichsten Phasen von Planung und Entwicklung. Zusammen kommen die beiden Normen bei Themen wie Bewertungen, Kennzahlen, Finanzierungen, der Bestimmung von Bebauungsdichten oder energetischen Berechnungen zur Anwendung.

Eine Sprache für ganz Europa

Die verschiedenen Begrifflichkeiten und Bewertungen innerhalb von Europa verlangten nach klaren und grenzüberschreitenden Regeln für die Ermittlung von Gebäudeflächen. Die Vorteile einer europaweit einheitlichen Nomenklatur und einer durchgängigen Ermittlung von Flächen liegen auf der Hand. International tätige Bauträger, Architekten, Investoren, Makler und auch Privatpersonen und Unternehmen, die Immobilien kaufen oder anmieten, sprechen dadurch dieselbe Sprache.

Studien des Europäischen Komitees für Bauökonomie (CEEC) haben ergeben, dass die Ermittlung der Grundflächen in allen europäischen Ländern zwar ähnliche Elemente bei der Messung aufweist. Die Gruppierungen und Codierungen der Komponenten führen bei der Anwendung unterschiedlicher (nationaler) Normen aber zu Abweichungen von bis zu 30 % bei den Netto-Grundflächen.

Netto oder Brutto?

Grundsätzlich werden bei der Berechnung von Flächen Brutto- und Nettowerte unterschieden. Beziehen sich die Bruttowerte auf die Gesamtfläche inklusive aller Konstruktionen, so sind diese beim Nettowert abzuziehen. Eine Nettoraumfläche ist also die Summe aller an der Grundfläche gemessenen Innenflächen eines Raumes. Die ÖNORM B 1800 nimmt zusätzlich eine Unterteilung der Nettoraumflächen nach unterschiedlichen Nutzungsgruppen vor. Unterschieden werden Sanitärflächen, Nutzflächen (z.B. für Wohnen, Bürotätigkeit, Produktion oder Lagerung), Technikflächen für betriebstechnische Anlagen und Verkehrsflächen für Erschließung und Sicherung. Um genaue Zuordnungen treffen zu können, stehen umfangreiche Beispieltabellen zur Verfügung.

Dipl.-Ing. Dr. Heimo Ellmer, bei Austrian Standards als Komitee-Manager für die ÖNORM EN 15221-6 zuständig: „Ob beim Kauf einer Wohnung oder eines Hauses, bei der Errichtung von technischer Infrastruktur oder bei der Planung von Großprojekten: Mit den ÖNORMEN EN 15221-6 und B 1800 verfügen wir erstmals über europaweit einheitliche Begrifflichkeiten und Unterteilungen, was Flächen- und Raumgrößen angeht. Und damit haben wir eine solide Grundlage für die Bewertung und Finanzierung und nicht zuletzt für die Kaufentscheidung zugunsten eines bestimmten Objekts.“


Bibliographie

ÖNORM B 1800 Ermittlung von Flächen und Rauminhalten von Bauwerken
ÖNORM EN 15221-6 Facility Management – Teil 6: Flächenbemessung im Facility Management