Wasserqualität – ein weltweites Anliegen

Wasser ist mehr als H2O. Es ist Leben und Lebensmittel. Damit es in erstklassiger Qualität und ausreichender Menge zur Verfügung steht, gibt es zahlreiche Normen – nationale, Europäische und Internationale: für Messmethoden, Nachweisverfahren, Probenahmen und vieles mehr – kurz für (fast) alles, was mit Wasserqualität, ihrer Gewährleistung und ihrem Nachweis zu tun hat.

Im Herbst 2009 war Wien Zentrum der weltweiten Normungsaktivitäten zur Wasserqualität.

Das zuständige Internationale Komitee ISO/TC 147 "Water quality" hielt seine Vollversammlung bei Austrian Standards Institute ab. Rund 140 Experten aus aller Welt nahmen daran teil.

Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer
Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer

Unter den Teilnehmern war auch Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer vom Institut für Hygiene und angewandte Immunologie der Medizinischen Universität Wien. Sie ist Vorsitzende des (nationalen) Komitees 140 "Wasserqualität" von Austrian Standards Institute, das die österreichischen Interessen und Positionen in der internationalen und auch europäischen "Wassernormung" vertritt.

Prof. Sommer hat nun zusätzlich internationale Aufgaben übernommen. Sie leitet die neue Arbeitsgruppe WG 5 des Subkomitees SC 4 "Microbiology". Thema dieser Arbeitsgruppe ist das Bakterium "Clostridium perfringens". Es gilt als wichtiger Parameter bei der Trinkwasserüberwachung.

Weitere Schwerpunkte
im SC 4 sind die Standardisierung von Medien, wie sie Labors für ihre Analysen benutzen, sowie Qualitätsanforderungen und -kontrollen in Labors. Ein Thema, das Prof. Sommer besonders beschäftigt, sind Fragen der Messunsicherheit: "Wir brauchen hier Übereinkunft, konkret darüber, was Messunsicherheit eigentlich bedeutet, was akzeptabel ist und wie weit Daten schwanken dürfen."

Dr. Hans-Jürgen Pluta vom Deutschen Umweltbundesamt
Dr. Hans-Jürgen Pluta vom Deutschen Umweltbundesamt

Das ISO/TC 147 wird von Deutschland geführt. Vorsitzender der Vollversammlung in Wien war Dr. Hans-Jürgen Pluta vom Deutschen Umweltbundesamt. Eines der wichtigen Anliegen aus seiner Sicht: "Die gesamte Normungsarbeit im Bereich Wasserqualität beschäftigt sich ganz besonders mit Fragen der Reduktion von Kosten und Aufwand. Die Volumina der Proben werden kleiner, und daraus ergeben sich besondere Herausforderungen für die Normung, nämlich: die Dokumente so anzupassen, dass sich die Qualität der Ergebnisse nicht verschlechtert, sondern möglichst noch verbessert."

Wenn es um Wasserqualität geht, dann darf aus Sicht der Experten ein Aspekt auf keinen Fall vernachlässigt werden: das Sediment. Dr. Pluta nennt es "das Gedächtnis des Wassers". Es geht dabei um jene Stoffe, die sich im Lauf der Zeit auf dem Boden von Flüssen und Seen abgelagert haben und dann bei Umwälzungen des Wassers, etwa durch Temperaturwechsel, wieder nach oben kommen. Die Frage dabei sei immer: Woher kommen die Belastungen im Sediment, welche Auswirkungen haben sie auf die Wasserqualität?

ISO/TC 147 "Water quality" bei Austrian Standards Institute
ISO/TC 147 "Water quality" bei Austrian Standards Institute

Eine Frage, die sich auch in neuen Bereichen stellt; Stichwort Nanopartikel und ihre Toxizität. Hier ist noch, wie der Experte betont, sehr viel Forschung im Gange und notwendig: "Woher kommen die Nanopartikel, wie kommen sie ins Wasser, welche Effekte haben sie auf toxische Substanzen im Wasser, mit welchen Verfahren können wir sie messen, und was wissen wir überhaupt?"

Aufgabe der Normung werde es sein, sobald ausreichend fundierte Grundlagen vorliegen, Methoden und Verfahren in Normen zu fassen, um sie dann allen in gleicher Weise zur Verfügung stellen zu können.

Kurz: Auf die Normung, die sich mit Wasserqualität beschäftigt, wartet auch in Zukunft viel Arbeit, und sie hat dabei ein Ziel - Wasser als Lebensgrundlage qualitativ hochwertig zu erhalten. Für möglichst alle Menschen.

Empfang im Wiener Rathaus

Empfang des Bürgermeisters der Stadt Wien im Rathaus
Empfang des Bürgermeisters der Stadt Wien im Rathaus:
Obersenatsrat Dipl.-Ing. Hans Sailer von den Wiener Wasserwerken begrüßte die Teilnehmer.


Normen für Wasserqualität – Wer ist zuständig?

Weltweit: ISO/TC 147 "Water quality"
Europa: CEN/TC 230 "Wasseranalytik"
Österreich: Komitee 140 "Wasserqualität" (vormals: "Wassergüte und -aufbereitung")

Das Komitee 140 ist österreichisches Spiegelgremium zu ISO/TC 147 und CEN/TC 230.

Vorsitzende: Univ.Prof. Dipl.-Ing. Dr. Regina Sommer
Komitee-Manager: Dipl.-Ing. Karl Stumwöhrer