Warum Normen unser Leben sicherer machen

Archivmeldung Austrian Standards
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Am 13. Jänner 2011 lud der Wiener "Club alpha" zum Diskussionsabend mit Austrian Standards‘ Vizedirektorin Elisabeth Stampfl-Blaha.

Wien (AS prm, 2011-02-01)

Präsentiert wurde ein kurzweiliger Exkurs über Normungsarbeit und deren Nutzen für Wirtschaft und Gesellschaft. Es folgte eine inspirierende Diskussionsrunde über Frauen in Technik und Top-Management.

Aktuell gibt es in Österreich über 22.000 Normen, die dazu beitragen, dass unser Alltag wie am Schnürchen läuft. DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha, Vizedirektorin von Austrian Standards: „Normen sind qualifizierte Spielregeln, die von engagierten Experten, Interessensverbänden und Betroffenen gemeinsam entwickelt werden, um den Alltag zu erleichtern.“

Und sie räumt gleich mit einem hartnäckigen Vorurteil auf: „Normen werden keineswegs hinter verschlossenen Türen gemacht – vielmehr kann sich jeder aktiv und unbürokratisch an der Entwicklung neuer Normen beteiligen.“

Österreich ist oft Pionier in der Normung

Viele Internationale Normen haben ihre „Wiege“ in Österreich. Ein Beispiel sind die mehrteiligen Europäischen Normen für sichere Babyschnuller und Schnullerhalter. Der Vorschlag wurde von einem europäischen Normungskomitee, das von Austrian Standards Institute gemanagt wurde, ausgearbeitet. Heute ist diese Norm rund um den Globus „State of the Art“.

„Normungsarbeit ist Unternehmenspolitik“, bringt Elisabeth Stampfl-Blaha die unternehmerischen Vorteile einer Teilnahme an der Normungsarbeit auf den Punkt.

Normen sind für die Gesellschaft

Standen früher rein technische Normen an erster Stelle, geht der Trend immer mehr in Richtung Standards für Dienstleistungen. Beispielsweise können sich Konsumenten heutzutage auf qualitätssichernde Standards bei Call Centern, Übersetzungsbüros oder Tauchschulen verlassen.

Geballte Innovationskraft, die international höchste Anerkennung findet, stellte Austrian Standards erst kürzlich mit der Entwicklung von Richtlinien für Risikomanagement sowie für die Bewertung immaterieller Güter, wie Marken und Patente, unter Beweis.

„Gesellschaftliche Entwicklungen und Bedürfnisse spiegeln sich immer auch in der Normung“, fasst Elisabeth Stampfl-Blaha die geänderten Rahmenbedingungen zusammen, „die Normen der Zukunft betreffen die Themen der Zukunft – etwa Ageing Society, Climate Change oder E-Mobility.“

 

v.l.n.r.: DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha, Eszter Dorner-Brader
DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha (li.) und Dr. Eszter Dorner-Brader vom "Club alpha" - Credit: comm:unications, Agentur für PR, Events & Marketing

Frauen in Technik & Management

Normung wird zunehmend jünger und weiblicher, so die promovierte Juristin und Wirtschaftswissenschafterin, die seit 1994 bei Austrian Standards im Top-Management „mit 130 Prozent“ im Einsatz ist. Im eigenen Haus werde „gender balanced business“ gelebt, von den 131 Austrian-Standards-Mitarbeitern sind 79 weiblich, Frauen und Männer werden gleiche Karrierechancen geboten, „was zählt, ist die Leistung“.

Dennoch möchte Elisabeth Stampfl-Blaha, für die Normungsarbeit auch jede Menge Kreativität und Gestaltungsmöglichkeiten beinhaltet, noch viel mehr Frauen für die Normung begeistern.

„Wir brauchen mehr Expertinnen in den Komitees – besonders in den technischen Bereichen – und auch mehr Frauen in Führungspositionen!“

Ihr Rat für die Top-Managerinnen von morgen: „Ich wünsche mir, dass Frauen unbekümmerter auftreten und eine ,dickere Haut‘ gegenüber Kritik entwickeln.“

DDr. Elisabeth Stampfl-Blaha
Credit: comm:unications, Agentur für PR, Events & Marketing

Zitate

„Auch bei der Normung gilt es, alle Aspekte ausgewogen zu halten. Etwa bei Kinderspielplätzen: Natürlich sollen diese sicher sein, aber wenn sie zu sicher sind, sind sie langweilig, und die Kinder lernen nichts. Außerdem sollen nicht zu viele Auflagen sein, sonst werden sie unbezahlbar.“

„International sind die Vorstellungen von Sicherheit oft völlig verschieden. In Deutschland schalten sich Tauchsieder nach Erhitzen automatisch aus. Man sollte meinen, das sei vernünftig, weil es Brände verhüten kann. Großbritannien sah das nicht so und wehrte sich lange gegen eine Europäische Norm.“

„Wer eine Lieferung von Produkten nach Norm erhält, braucht sich nicht extra den Kopf zerbrechen, ob diese allen allgemein üblichen Anforderungen genügen. Also bei der neuen Couch kann man davon ausgehen, dass sie nicht nach hundertmal Draufsetzen zusammenbricht.“

„Manchmal gelingen Glanzleistungen, dann, wenn wir Leute an einen runden Tisch bringen, die einander auf der Straße bestimmt nicht grüßen würden. Aber sobald es um die gemeinsame wichtige Sache geht, ist es möglich. So war es z.B. bei der Norm für Betriebskostenabrechnungen.“

„Österreichische Delegierte sind diplomatisch und verstehen es sehr gut, nationale Anliegen in internationalen Gremien unterzubringen. Österreich hat auch ein Talent für kluge und pragmatische Lösungen. Dadurch sind sie viel schneller, während in der Zwischenzeit andere hochkomplizierte Metaebenen diskutieren. So war es bei den unlängst der Öffentlichkeit vorgestellten Normen für Marken- und Patentbewertung.“