Landeskrankenhaus Klagenfurt

Sterilisation von Medizininstrumenten

Wenn der Arzt im Operationssaal "Schere" sagt, bekommt er ein steriles Instrument in die Hand gedrückt. Das scheint selbstverständlich. Doch steril ist nicht gleich steril. Im Landeskrankenhaus Klagenfurt ist das Niveau der Sterilisation von Medizininstrumenten in den letzten Jahren sprungartig gestiegen, da ein engagiertes Team – von Normen ausgehend – in die Routinearbeit Tests integrierte und scheinbar nebenbei eine dazugehörige Maschinennorm auf höheres Niveau brachte.

LKH Klagenfurt
Credit: LKH Klagenfurt

[2007-10-31] Normen sind zu meinem Hobby geworden“, sagt Horst Taferner mit einem Lächeln. Der frühere Leiter der Zentralen Sterilgutversorgungsabteilung, kurz ZSVA, des Landeskrankenhauses (LKH) Klagenfurt hat in fünfjähriger Arbeit geschafft, was ohne Normen nicht möglich gewesen wäre. Eine international beachtete Struktur im Management der Instrumentenreinigung aufzubauen, die Qualität der Sterilisation zu heben und in der Routinearbeit Tests zu integrieren. „Es kommen uns immer wieder Teams besuchen, um unseren Betrieb kennen zu lernen und sich Anregungen zu holen“, ist Taferner zu Recht stolz.

Entscheidender Beschluss 

Der Anfang der Geschichte liegt einige Jahre zurück. Im Jahr 2000 beschloss die Führung des Krankenhauses, die bislang dezentrale Sterilisierung zu zentralisieren. Neben jedem der 26 Operationssäle war bis dahin ein Arbeitsraum für die Aufbereitung der Operationsinstrumente.

Mit diesem Beschluss wurde eine zentrale Stelle errichtet und zuerst einmal umgebaut. Ein Teil des Untergeschoßes eines Hauses wurde adaptiert, neue Instrumenten-Waschmaschinen entsprechend der ÖNORM EN 15883 gekauft und zusätzlich – aus logistischen Gründen – auch mehr Instrumente für die Operationen angeschafft.

Die Sterilisationsgeräte wurden ebenfalls entsprechend der ÖNORM EN 285 umgebaut. Somit war die ZSVA im LKH auf dem letzten technischen Stand. Horst Taferner war als Umsetzer von neuen Standards der beste Mann.

Als Krankenpfleger der Intensivmedizin 1982 begonnen, wechselte er über die Operationssäle zur Sterilisation. Dort hat er selbst acht Jahre gearbeitet, bevor er die Leitung – und die große Umstrukturierung – übernahm.

LKH Klagenfurt
Credit: LKH Klagenfurt

Klare Strukturen

Die neue zentrale Struktur brauchte ein neues Management. Taferner bereitete das Umfeld für die Zertifizierung nach ISO 9001:2000 vor. Das bedeutet: klare Anweisungsstrukturen, Entwicklung von Richtlinien, nachverfolgbare Wege und Prozesse, Fehlerkontrolle und laufende Schulungen für das Personal. Die Zertifizierung war fünf Jahre später geschafft.

Warum so spät? Die Sache ist bei 35.000 Operationen im Jahr ein Großprojekt, und mit der Schaffung der Infrastruktur versetzte Taferner die Maschinenhersteller in eine Krise. Aus ihr ging höhere Qualität hervor, von der auch alle anderen Sterilisations-Stellen profitieren können. Doch langsam.

Maschinentest perfektionieren

Instrumente der Mediziner werden zuerst gewaschen und dann sterilisiert. Seit Jahrzehnten passiert das – um einen Vergleich mit dem Alltag zu ziehen –, zuerst in einem Geschirrspüler und danach im Dampfdruckkochtopf. Die Qualität der Sauberkeit ist in ÖNORM EN 15883 festgelegt.

Die Instrumente wurden mittels KMNE-Test geprüft; einfach erklärt, mit einem Kartoffelbrei samt Ei und Lebensmittelfarbe verschmutzt, dann gereinigt und das Ergebnis getestet. Eine neue Prüfmethode mit Hammelblut, entwickelt vom Institut für angewandte Hygiene in Graz, wurde in Klagenfurt gemeinsam mit dem Team der Sterilisationsabteilung perfektioniert. "Hammelblut ist dem menschlichen Blut am nächsten", weiß Taferner. Und ist ein wenig stolz: "Europaweit brach der Maschinenmarkt zusammen."

Operationsscheren
Credit: LKH Klagenfurt

Verwinkelte Operationsgeräte

Der neuen Norm folgte noch eine Herausforderung aus Klagenfurt. Denn nicht alle Geräte sind einfach wie eine Pinzette oder ein Skalpell. Von den 35.000 Operationen in Klagenfurt sind fast 3000 komplizierte Eingriffe mit komplexen Geräten.

Herzoperationen, Bauchspiegelungen oder Operationen im Unterbauch werden zunehmend mit minimalinvasiver Chirurgie gelöst. Dabei haben die Patienten bloß zwei bis drei "Löcher" in der Nähe des Eingriffs und nicht mehr lange Schnitte. Der Chirurg bedient Griffe, deren Bewegungen durch ein langes Rohr vorne zu den Instrumenten übertragen werden.

Diese Werkzeuge sind vom Material her komplex – Mischungen von Metall und Kunststoffen –, sind verwinkelt gebaut und müssen vor jeder Reinigung zerlegt werden.

Operationsschere
Credit: LKH Klagenfurt

Maschinen verbessern

Um komplizierte Instrumente – Röhren, Schraubverbindungen oder Muffen – nach der neuen Norm zu reinigen, mussten neue "Innenleben" für die Maschinen überlegt und gebaut werden.

Metallleitungen mit Löchern, die Schläuche reinigen, Waschvorgänge in beiden Richtungen und manchmal Klammern, um Kleinteile in die richtige Position zu bringen, waren gefragt und wurden in den Jahren auch entwickelt.

"Die Lieferanten waren vor den Kopf gestoßen, als wir sagten, ihre bisher guten Geräte entsprächen nicht der Norm, die in der Ausschreibung gefordert wird." Die Maschinenhersteller haben gelernt. Taferner und sein Team auch.

Audit mit Mehrwert

Bis zur ersten Validierung nach den ÖNORMEN EN 554, EN ISO 15883 1-2 und nach ONR 112069 sind deshalb fünf Jahre vergangen. 2005 war es soweit. Die Mitarbeiter waren geschult, das System gefunden.

"Jedes Audit brachte uns wieder einen Schritt weiter", erzählt Taferner. Nach 2005 wurden die Schulungen verbessert. Ein Fehlermanagement wurde etabliert, womit operierende Ärzte und Pflegepersonal zufriedener wurden. Das heißt konkret: Ärzte können sich beschweren. Mittels neu eingeführtem Barcode kann für jedes Instrument nachvollzogen werden: Wer hat es wann wie gereinigt.

Weitere bauliche und technische Veränderungen waren selbstverständlich. Doch ein Auditor stellte Taferner mit einer simplen Frage vor eine neue Aufgabe: "Wie können Sie beweisen, dass die Instrumente so sauber sind, wie Sie glauben?" Das nächste Projekt war geboren.

Dipl.-Ing. Dr. Sandra Eder, MBA und Horst Taferner, Leiter der Zentralen Sterilgutversorgung am Landeskrankenhaus Klagenfurt
Dipl.-Ing. Dr. Sandra Eder, MBA und Horst Taferner, Leiter der Zentralen Sterilgutversorgung am Landeskrankenhaus Klagenfurt

Forschung folgt Entwicklung

2006 startete ein Forschungsprojekt aus der neu aufgestellten Sterilisations-Abteilung. Die Hauptfrage war: Wie kann im Routinebetrieb bewiesen werden, dass die Instrumente sauber sind?

Seit Oktober 2005 arbeitete die Chemikerin Dipl.-Ing. Dr. Sandra Eder im Landeskrankenhaus. Taferner trat an sie heran – mit Erfolg. In acht Monaten führten sie ein Forschungsprojekt bei laufendem Betrieb durch. Drei Testsets – ein Wischtest, ein Spültest und ein Labortest – wurden überprüft.

Gemeinsam mit Hilfe der Chemikerin und dem Institut für Labordiagnostik des Krankenhauses wurden die Tests für die Anwender praxisnah vorbereitet. Das Team hat ein Testset entwickelt, das die Mitarbeiter – keine Akademiker – leicht anwenden konnten, das effektiv und auch billig war.

2008 wird das nächste große Audit für die Zertifizierung stattfinden, und Taferner – mittlerweile im Management des Hauses für die Verbesserung des Pflegesystems zuständig – freut sich darauf.

International beachtet

Die Zentrale Sterilgutversorgungsabteilung ist durch ihre normgerechte Organisation zu einem Vorbild für viele geworden. In Baden beim Weltkongress für Medizinalaufbereitung vorgestellt, klopfen internationale Firmen an, um zu sehen, wie es in Wirklichkeit funktioniert.

Und das ging nur auf eine Weise, ist Sandra Eder überzeugt: "Ich kann die Norm nicht allein verkaufen, sondern nur im Gesamtpaket einer praktischen Anwendung. Dabei wird der Standard gelebt und verbessert."