Geschützte Werkstätte St. Pölten

Die Qualitätsmacher

Türschilder, Kameragehäuse, Schaltsysteme für Londoner Rolltreppen und Maßteile für Autotüren. Was haben sie gemeinsam? Sie alle kommen aus der Geschützten Werkstätte St. Pölten. Das Unternehmen erobert sich seinen Platz im freien Markt bewusst mit Qualitätsmanagement, Normen und Zertifikaten.

Ing. Daxbacher, Geschützte Werkstätte St. Pölten
Ing. Daxbacher, Geschützte Werkstätte St. Pölten

[2007-04-02] "Normen geben einen Rahmen vor, in dem wir unsere Kreativität und Flexibilität zielgerichtet anwenden können", sagt Ing. Alfred Daxbacher. Als Qualitätsmanager der "Geschützten Werkstätte St. Pölten Ges.m.b.H." (GW-St. Pölten) sitzt er an der Schnittstelle zwischen Organisation, Arbeit und Außenauftritt.

Das Bürogebäude der Zentrale in Hart bei St. Pölten beweist, dass dies nicht seine Privatmeinung ist: Gleich in der Eingangshalle hängen an der Wand: das ISO-9001-Zertifikat, eine Auszeichnung für Ökomanagement, Gütezeichen sowie andere "Qualitätstrophäen".

Vielfältige Leistungen

Was in der Werkstätte gefertigt wird, ist nicht ein einzelnes Produkt. Das reicht von Lohnfertigung bis zu Komponenten- bzw. Systemlieferungen: Sieben Bereiche umfasst die Produktpalette. Wichtigste Segmente dabei: die Elektromontagen sowie die Metallbearbeitung und -verarbeitung.

Für die Großkunden SIMEA (Siemens Industrial Manufacturing, Engineering and Applications) und Schindler (Aufzüge und Fahrtreppen) etwa werden Schaltschränke, Kabelsätze, Steuerungen, Thyristorstränge, Hochleistungs-Kühlkörper, Dreh-, Fräs-, Stanz- und Biegeteile und vieles mehr produziert.

In der Zentrale in Hart geht es um unterschiedlichste Metall- und Schlosserarbeiten: Autoteile, Spezialteile für Motorgetriebe oder spezielle Schweißarbeiten. In der nahe gelegenen Halle in St. Pölten werden Schaltkästen für internationale Auftraggeber zusammengebaut, Kabel säuberlich konfektioniert und meist das Gehäuse dazu als Einzelstück angefertigt. In der Werkshalle in Gmünd werden Textilien verarbeitet.

25 Millionen Euro erwirtschaftete die Geschützte Werkstätte im letzten Jahr. Ihr Anteil an Menschen mit besonderen Bedürfnissen liegt bei 71 Prozent. Sanitäranlagen für behinderte Mitarbeiter und Rampen für Rollstuhlfahrer sind hier selbstverständlich.

Geschützte Werkstätte St. Pölten
Credit: Geschützte Werkstätte St. Pölten

Spezielle Bedürfnisse

Einige, die in der Geschützten Werkstätte arbeiten, haben eine Verletzung in ihrem handwerklichen Beruf erlitten, die es unmöglich macht, an eine normale Arbeitsstelle zurückzukehren.

Etwa der Monteur, der sich drei Wirbel gebrochen hat. Heute kann er hier arbeiten, verlegt fein säuberlich Kabel in Schaltkästen. Da er nach einer Stunde nicht mehr sitzen oder stehen kann, wurde ihm die Sonderkonstruktion eines Arbeitstisches gebaut. Mit dem Fuß kann er den Tisch heben und schräg stellen, damit er arbeiten kann. Solche Anpassungen sind jenseits jeder Norm und Vorgabe.

Bester Weg

Normen sind vor allem für das Unternehmen im Außenauftritt wichtig. "Wir passen die Qualität unserer Produkte und Leistungen den jeweiligen Bedürfnissen des Markts und der Kunden an", erklärt Daxbacher.

Er ist für Zertifizierung des Qualitätsmanagements nach ÖNORM EN ISO 9001 im Betrieb verantwortlich und wird sich in Zukunft auch um internationale Produktzertifizierungen bemühen. Langsam wird das Planungssystem auf ISO 14001 (Umweltmanagement) ausgerichtet, mit einer Zertifizierung wolle man aber noch warten. "Normen sorgen für Kompatibilität, definieren einen 'Code of good Practice' und geben uns die Richtschnur vor", so Daxbacher.

Geschützte Werkstätte St. Pölten
Credit: Geschützte Werkstätte St. Pölten

Internationale Erfolge

Die Erfolge geben der Strategie Recht. Seit der Gründung des Unternehmens vor rund 25 Jahren ist die damals kleine Werkstätte mit weniger als zehn Mitarbeitern über den Mittelbetrieb zum – für österreichische Verhältnisse – industriellen Großbetrieb geworden.

Ca. 450 Menschen sind hier beschäftigt und produzieren für einen weit gestreuten Markt. Zehn Prozent der Produktion werden exportiert, z. B. nach Deutschland, England oder Nordamerika. SIMEA hat die GW-St. Pölten schon mehrmals als Vorzugslieferant ausgezeichnet.

Falsche Einstellung

Zum Hindernis werden Normen selten. "Wenn die Anwender den Sinn und Zweck der Normen nicht erkennen, gibt es Erklärungsbedarf", so Daxbacher. Denn oft herrscht die Meinung vor: Normen sind Vorschriften, die erfüllt werden müssen.

Daxbacher sieht dies jedoch anders: "Wir berücksichtigen die Anforderungen der Normen, weil wir unsere Ziele erreichen wollen." Und mit dieser Einstellung ist vielleicht das Geheimnis des Erfolgs der Geschützten Werkstätte St. Pölten gelüftet.