Wissen, was verlangt wird
Man sollte sich vorher gut informieren, rät KommR Ing. Franz Bamberger, »Präsidialbeauftragter für Osteuropa/Russland« von Austrian Standards Institute, allen, die – so wie er – auf den Märkten Russlands und des Ostens erfolgreich sein wollen.
Wien (AS prm, 2011-10-04)
„Wenn man die Standards kennt, dann weiß man, was verlangt wird. Denn gerade in den Wirtschaftsbeziehungen mit Russland haben Sie einen besonderen Stellenwert. Und da sollte man sich vorher informieren.“ Diesen Rat gibt KommR Ing. Franz Bamberger allen mit auf den Weg, die mit ihren Unternehmen Richtung Osten aufbrechen wollen und auf den Märkten Russlands und der GUS-Staaten reüssieren wollen.
Bamberger, der seit den 1980er Jahren als „kleiner Landsteinmetz“ – so seine bescheidene Selbstdefinition – äußerst erfolgreich tätig ist, weiß, wovon er spricht: „Die Waren müssen dort den Normen entsprechen, und dafür will man Zertifikate.“ Wenn man die nicht hat oder das Produkt von den Normen abweicht, hat man Probleme. Der LKW steht an der Grenze, bis ein gültiges Zertifikat vorliegt. Das kann dann wieder Verzögerungen in der Fertigstellung nach sich ziehen.
Darum – so Bamberger, langjähriger Vizepräsident und seit Juni 2011 „Präsidialbeauftragter für Osteuropa/Russland“ von Austrian Standards Institute – muss man sich vorher ausreichend informieren und die Zertifikate besorgen. Es geht dabei vor allem um russische Standards (GOST Standards), zunehmend aber auch um British Standards (BS), da heute zahlreiche ausländische, vor allem US-amerikanische Architekten in Russland aktiv sind und auf englischsprachige Normen zurückgreifen.
»Kreisky war schuld.«
Sein berufliches Engagement in Osteuropa und Russland hat der geschäftsführende Gesellschafter der Franz Bamberger Steinmetzbetriebe mit insgesamt 5 Unternehmen und rund 100 Mitarbeitern bereits vor der Wende 1989 begonnen. „Schuld war der damalige Bundeskanzler Kreisky“, meint er augenzwinkernd. Anfang der 1980er Jahre gab es erstmals über die Kontrollbank finanzierte Projekte in Ungarn, dann in Polen, bei denen man es geschafft hat, als Subunternehmer im Windschatten großer österreichischer Bauunternehmen „mitzusegeln“ und so Fuß zu fassen.
Was konkret heißt: Kontakte zu einer zahlungskräftigen Klientel zu knüpfen, um dieser für Banken, Hotels und zunehmend Privathäuser Stein und Marmor anzubieten. Heute liegt für Bamberger der Fokus in Russland, konkret in Moskau, wo Stein eine gewisse Tradition hat und man inzwischen ein eigenes Büro für administrative Aufgaben unterhält.
Vorproduziert wird nach wie vor in Österreich, auch die Bauleiter sind Österreicher, und das Material selbst kommt aus der ganzen Welt. Die Frage, warum er sich auf die Märkte im Osten und Russlands gewagt hat, beantwortet Bamberger einerseits mit Neugierde und ein wenig Abenteuerlust, andererseits aber damit: „Wenn man als mittelständisches österreichisches Unternehmen wachsen will, dann muss man seine Märkte erweitern. Österreich war dafür zu klein. Und hier haben sich die Länder Osteuropas und dann Russland einfach angeboten.“
Tipps aus der Praxis
Neben dem guten Rat, sich möglichst früh mit den Standards und notwendigen Zertifikaten auf den künftigen Märkten vertraut zu machen, hat Opernliebhaber Bamberger, der selbst etwas Russisch und fließend Serbokroatisch spricht und ca. alle sechs Wochen in Moskau ist, noch einige weitere Tipps für Unternehmer bereit, wenn sie im Osten und in Russland reüssieren wollen: „Man muss sich einleben, Mentalitäten und Gepflogenheiten kennenlernen, wozu das Klischee des Wodka-Trinkens heute nicht mehr gehört. Dann wird man auch viele Parallelen entdecken.“ Gefragt sei jedenfalls solide Handwerksarbeit, ergänzt Bamberger, der auf das hohe Ansehen Österreichs auf diesem Gebiet verweist.
Denn gerade bei Handwerk und bei der Ausbildung von Fachkräften gebe es in vielen Ländern noch großen Nachholbedarf, da während des Kommunismus der Fokus primär auf Industrie, aber nicht auf Handwerk gelegt worden sei. In der Tschechischen Republik und in Polen habe man das schon erkannt, dass es nicht um „Anlernen“, sondern um „Lernen“ gehe und Handwerk als Wirtschaftsfaktor zu sehen sei. Österreichs Unternehmen haben hier auch die große Aufgabe, Know-how zu transportieren, wenn man Handwerk und Können fördern will. Dabei seien gerade KMUs besonders wichtig.
CEN-Mitglied Russland?
Was Bamberger bedauert, ist, dass Europäische Normen in Russland heute noch keine wirkliche Rolle spielen. Das werde wohl erst dann der Fall sein, wenn Russland – so sein Wunsch – Mitglied im Europäischen Komitee für Normung CEN ist, oder sich zumindest der Europäischen Normung stärker annähert: „Man muss Russland weiter ‚umarmen‘, um hier zu gemeinsamen Lösungen zu kommen, die weiter gehen als das bestehende Memorandum of Understanding zwischen CEN und GOST.“ Denn für ihn ist klar: „Wenn man eine globalisierte Wirtschaft will, wird es nicht anders gehen, als eine gemeinsame internationale Handelssprache zu finden. Das sind nun einmal Normen.“

