Berndorf Bäderbau
"bärenstark" mit Normen
Beim Namen "Berndorf" denkt man gemeinhin an Besteck. Eine Tochter des niederösterreichischen Stahlverarbeiters hat sich jedoch auf anderes spezialisiert: auf den Bäderbau. Das Tor in den Osten öffnen Normen. Denn Kunden wollen Zertifikate und Qualität, und die stehen im Zentrum der Firmenphilosophie.
[2008-03-14] "Normen sind tagtäglich ein Thema", sagt Dipl.-Ing. Peter Jauschowetz. Der technische Leiter des Berndorf Bäderbaus weiß genau, wovon er redet. Rund 5000 Bäder baute das niederösterreichische Unternehmen in den letzten drei Jahrzehnten.
Die Edelstahlbecken werden 2000 Jahre halten und sind normkonform, wenn nicht sogar mehr: Rundungen der Stiegen unter Wasser, gestanzte Noppen für rutschfreies Gehen sowie geprüfte Absaugeinrichtungen und Schwimmbadköpfe.
Das Strengste ist gut genug
Denn einfach Bauen und Verkaufen ist zu wenig. Peter Jauschowetz, gelernter Gebäudetechniker und Maschinenbauer mit Schwerpunkt Energietechnik, setzt auf Normen. Im Österreichischen Normungsinstitut arbeitet er in der Standardisierung mit, denn "Berndorf hat die Tradition, dass der strengste Standard gerade gut genug ist.
Gab es eine deutsche und eine österreichische Norm zu einem Thema, entschieden wir uns für die strengere." Rund 40 Normen existieren für den Bau, die Planung und den Betrieb von Bädern. Sicherheit und Hygiene stehen dabei an oberster Stelle, was in Österreich das Bäderhygienegesetz regelt.
Kunden wollen’s Schwarz auf Weiß
Sicherheit und Hygiene sind nicht nur Vorschrift, sondern auch Kundenwunsch. "Die Kunden verlangen Zertifikate und Bestätigungen", erzählt Jauschowetz und meint damit seine Kernmärkte in Österreich, Deutschland, der Schweiz, Südtirol und Luxemburg.
Im europäischen Osten sieht die Sache anders aus. Hier sind Normen nicht so selbstverständlich und in den Alltag eingebunden wie in Österreich. "In den neuen Märkten geben wir beim Bau von Kommunalbädern oder Hotelbädern den Standard vor und setzen damit Qualität fest", so Jauschowetz. Von der Slowakei bis nach Litauen, Russland und Lettland sind die Edelstahlbäder von Berndorf gefragt, und dabei bringt Jauschowetz Normen ins Spiel.
Gemanagt mit Qualität
Nicht nur in der großräumigen Produktionshalle, sondern auch im Bürobetrieb walten Standards. Seit 1995 ist das Unternehmen nach ISO 9001 zertifiziert: dem Standard für Qualitätsmanagement. "Unsere Mitarbeiter spüren die Normen nicht mehr, weil sie täglich gelebt werden", sagt Dieter Gruber, Qualitätsmanager von Berndorf Bäderbau.
Projektbeschreibungen und Dokumentation von Prozessen sind selbstverständlich. Der Umzug in neue Büros am Firmengelände ist gleich mit einer verwaltungstechnischen Neuerung verbunden worden: einem internen Logistik-Programm, das auf ISO 9001 basiert. Am meisten schätzt Qualitätsmanager Gruber die Transparenz in den Prozessen. Fehler können gezielt gefunden, Prozesse punktgenau optimiert werden.
Beim Zuschneiden der Edelstahlplatten gab es einst Unregelmäßigkeiten. "Wir haben den Prozess überprüft und entdeckten, dass die Maße richtig eingescannt waren, einer der Zuschneider jedoch im wichtigsten Augenblick seine Brille nicht aufsetzte." Diese Sache war schnell erledigt.
Kritik an Normen fallen Gruber nicht schnell ein. Eine dann doch: Die gekaufte Norm würde er in der Firma gerne vervielfältigen und verteilen dürfen.
Europatrend zu mehr Sicherheit
Zurück zum konkreten Bäderbau: Die jetzt geltenden Normen regeln vieles an Sicherheit, Qualität und Hygiene. Aber es gibt noch Arbeit für Jauschowetz in den Normungsausschüssen: "Eine Lücke sind die Spielgeräte in den Schwimmbädern."
Seile, Recke, Barren oder Kletterwände und Türme sind bisher nicht genormt. Die Badegäste fühlen sich über Wasser meist sicherer als sonst, deshalb muss hier noch von Experten nachgedacht werden. Bis 2009 rechnet Jauschowetz mit einem Vorentwurf. Später könnte dies in der Europäischen Normung Schule machen.
Nächste Schwerpunkte
Früher noch wird die österreichische Grundlage geändert. Im April 2008 wurde das Bäderhygienegesetz – und damit die dazugehörigen Normen – überarbeitet. Der Trend geht zu mehr Sicherheit. Darauf setzt die Europäische Normung: Risikoanalysen werden in der Sicherheitstechnik selbstverständlich werden.
"Wir wollen nicht überrumpelt werden, deshalb arbeiten wir lieber gleich bei der Erstellung der Normen mit", sagt Jauschowetz aus Überzeugung. Verbesserungsmöglichkeiten sieht er nur bei nicht ganz nachvollziehbaren Forderungen der Normen. Solche gibt es selten, aber doch. Etwa eine Aufschlagsprüfung von Einbauteilen, wo im Edelstahlbau nicht zwei verschiedene Materialien zusammenkommen.
Erfolgsbilanz
Für Berndorf Bäderbau sind Standards der Weg zum Erfolg. Seit 1990 ist die Zahl der Mitarbeiter von 70 auf 200 gestiegen. Dazu kommen noch 50 in Tochterunternehmen. "Durch aktive Normungsarbeit können wir die Entwicklung positiv beeinflussen und wissen früher als andere, welche Schwerpunkte sich durchsetzen werden", sagt Peter Jauschowetz und blickt auf eine bärenstarke Marke.


