Richtig ins Schwitzen kommen

Anforderungen an Sauna & Co regelt ÖNORM M 6219. Neue Materialien und neue Formen.

Wien (AS prm, 2010-06-21)

Der nasskalte Frühling und Sommerbeginn 2010 hat den Freibad-Besuchern keinen erfreulichen Start in die Saison beschert. Die Bedürfnisse gehen eher in Richtung Aufwärmen und Erkältungsbekämpfung.

Viele Badeanstalten, Fitnesszentren oder Hotels haben mittlerweile zumindest eine Sauna - vom türkischen Hamam bis zur Solegrotte reichen die exotischeren Angebote.

Auch in Privathäusern werden vermehrt Saunen oder Infrarotkabinen eingebaut.

Sauna-Utensilien
Credit: Andrea Kusajda / pixelio.de

Dieser allgemeine Trend hat auch Auswirkungen auf die Normung.

Seit 1. März 2010 liegt die ÖNORM M 6219 in komplett überarbeiteter Fassung vor. Diese neue Ausgabe ersetzt die Ausgabe von 1998, die dem Stand der Technik angepasst wurde.

Zusätzlich zu den Anforderungen an die Saunakammer wurden auch jene für Warmluftkammern mit geregelter Luftfeuchte sowie an Saunaanlagen in Kombination mit Infrarot-Wärmequellen aufgenommen.

Die ÖNORM M 6219 „Anforderungen an öffentliche und gewerbliche Saunaanlagen, Infrarotkabinen, Dampf- und sonstige Wärmekammern“ besteht nun aus folgenden Teilen: Teil 1 "Planung und Betrieb von Saunas und Saunas in Kombination mit Infrarot-Wärmequellen" und Teil 2 "Planung und Betrieb von Infrarotkabinen".

Ein Teil 3 "Planung und Betrieb von Luft-, Dampf- und Strahlungskammern" ist in Vorbereitung.

Sauna
Credit: Rainer Sturm / pixelio.de

Aus dem hohen Norden

Der ursprüngliche Sinn der Sauna war der einer gründlichen Reinigung des Körpers, meint man im Herkunftsland Finnland. Das Saunieren dient aber auch der Abhärtung und Vorbeugung.

Die Erhöhung der Körpertemperatur auf bis zu 39 °C während der Schwitzphase erzeugt ein künstliches Fieber und zerstört im Körper Krankheitserreger. Darüber hinaus ist auch der Raum selbst hygienisch, da Bakterien bei der Umgebungshitze keine Chance haben.

Der Saunaraum, der innen zumeist aus Holz besteht, wird mit einem Saunaofen auf eine Temperatur zwischen 80 °C und 105 °C erhitzt. Die Sitzbänke sind in zwei bis drei Stufen angeordnet, wobei die Temperatur nach oben hin deutlich zunimmt. Wichtig in einer Sauna ist die Luftzirkulation, es wird kontinuierlich Frischluft zugeführt, die vom Ofen aufgeheizt wird, so dass die Temperatur im Raum konstant bleibt.

Die Innenhöhe der Kammer, die Sitzhöhe und Tiefe der Saunabänke und der Flächenbedarf pro Saunabenützer sind genau geregelt, ebenso die Anforderungen an die Türe, den Wand- und Deckenaufbau, die Wärmedämmung, die Dampfsperre, der U-Wert (U = Wärmedurchgangskoeffizient) und mehr.

Bei der Gestaltung einer Saunaanlage, die in den früheren Ausgaben noch viel restriktiver geregelt war, lässt die neue Norm mehr gestalterische Freiheit. Designer wollen einerseits mehr Fensterflächen bzw. Vollverglasung, andererseits zweckfremde Raumelemente einsetzen.

Die Werkstoffauswahl wurde an die heute im Saunabau bereits verwendeten Materialien angepasst und für diese Richtwerte eingeführt.

Für den richtigen Badeablauf müssen aber auch weiterhin außer der Kammer eine Dusche, ein WC, eine Ruhemöglichkeit und eine Garderobenablage vorhanden sein.

Infrarotkabine
Credit: Physiotherm

Wärmende Strahlen

Infrarotkabinen sind eine seit einigen Jahren auf dem Markt angebotene Alternative zur Sauna. Sie erwärmen den Körper nicht über heiße Raumluft, sondern über Infrarotstrahlung. Ein Vorteil ist, dass nicht lange vorgeheizt werden muss und Energie gespart werden kann.

In Infrarotkabinen wird nur eine Temperatur von ca. 45 °C erreicht, die Wärme kommt von einer Strahlungsquelle, die elektromagnetische Wellen im Infrarotbereichs des Lichts aussendet. Die Anwendung ist angenehm und entspannend, eine medizinisch-therapeutische Wirkung ist hingegen nicht gesichert.

Grundsätzlich sind bei Infrarot-Strahlern Einwirkungen auf Auge und Haut zu beachten. Die Grenzwerte nach ICNIRP (International Commission on Non-Ionizing Radiation Protection) sind ausgelegt, um Verletzungen zu vermeiden. Während die Schmerzrezeptoren der Haut sofort reagieren, könnte das Auge empfindlicher geschädigt werden.

Besonderen Wert muss bei Infrarotkabinen auf Hygiene gelegt werden, da sich im feuchtwarmen Milieu Bakterien schnell vermehren.

Begriff und Arten

Wichtig ist die Unterscheidung der verschiedenen Arten von Kammern in Wellnessanlagen nach Temperatur und Feuchte. Die Sauna ist am heißesten (105 °C), aber relativ trocken (6 %, 15 % beim Aufguss). Ein Dampfbad mit 42 bis 49 °C hat hingegen nahezu 100 % Luftfeuchtigkeit.

Dazwischen gibt es eine Vielzahl verschiedener Systeme, die auf dem Markt unter mehreren Bezeichnungen erhältlich und zum Teil markengeschützt sind. Daher wird  in der Norm "Warmluftkammer" als allgemeiner Begriff verwendet.

Anlassfall Formaldehyd

Aus einer Saunaanlage meldete ein Gast gesundheitliche Beschwerden, die typisch für eine Formaldehyd-Belastung sind. Nachdem diese Anlage aus Holzlagen-Werkstoffen gefertigt war, wurde zuerst vermutet, dass die Verleimung der "Übeltäter" sein könnte.

Die Kärntner Landesregierung, das Österreichische Saunaforum und die Holzindustrie wurden rasch aktiv und starteten eine weltweit einzigartige Studie. Es stellte sich heraus, dass bestimmte natürlich gewachsene Holzarten in großer Hitze ebenfalls Formaldehyd abgeben.

Auf Basis dieser Studie unter Hinzuziehung von Gesundheitsmedizinern wurden in der Norm nun Empfehlungen für Holzarten und Grenzwerte festgelegt. So haben Hersteller von Wärmekammern Referenzen, auf die sie zurückgreifen können.


Bibliographie

ÖNORM M 6219
Anforderungen an öffentliche und gewerbliche Saunaanlagen, Infrarotkabinen, Dampf- und sonstige Wärmekammern
Teil 1: Planung und Betrieb von Saunas und Saunas in Kombination mit Infrarot-Wärmequellen
Teil 2: Planung und Betrieb von Infrarotkabinen

Hinweise

Die Ausbildung zum Saunawart ist in der ÖNORM S 1150 "Anforderungen an die Ausbildung von geprüftem Bäderpersonal" beschrieben.

Angaben zu Tauchbecken sind in der ÖNORM M 6216 enthalten.

Seminar

Im Frühjahr 2010 fand bei Austrian Standards plus Trainings ein Seminar "Anforderungen an öffentliche und gewerbliche Saunaanlagen" statt. Da das Interesse sehr groß war, ist eine Wiederholung nach Fertigstellung des Teils 3 im Frühjahr 2011 in Planung.

Bei Interesse wenden Sie sich bitte an AS+T, Tel.: +43 1 213 00-333, trainings(at)as-plus.at.