Der Container bringt‘s

Archivmeldung Austrian Standards
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Wie eine Internationale Norm die Welt verändert hat. Oder: Der ISO-Container als Ausgangspunkt der Globalisierung.

Wien (AS prm, 2009-12-22)

Feierabend. Auf dem Heimweg noch schnell einkaufen: Prosciutto aus der Toskana, Reis aus China, Wein aus Australien, Fairtrade Schokolade aus Ecuador, als Tischdekoration ein Blumenstrauß aus Holland.

Oder rasch Weihnachtsgeschenke besorgen. Egal. Die Auswahl ist riesig, die Preise sind moderat.

Containerschiff Le Havre
Credit: ASI prm

Möglich wurde die moderne Vielfalt durch die Erfindung des Containers im Jahr 1956. Unspektakulär sieht dieses Behältnis aus: ein in Länge, Breite und Höhe genormter Quader. Die besondere Bedeutung für die Wirtschaft liegt in der geschlossenen Transportkette von Land und Wasser, die damit möglich wird.

Seit 50 Jahren genormt

Bereits vier Jahre nach seinem ersten Einsatz – von einem findigen Privatunternehmer konzipiert –, wurde bei der International Organization for Standardization ISO das Technische Komitee ISO/TC 104 „Freight Containers“ gegründet. ISO-Container sind weltweit nach ISO 668 genormte Großraumbehälter (Seefracht-Container), die das Verladen, Befördern, Lagern und Entladen von Gütern vereinfachen und beschleunigen.

Seither wurde der Container optimiert, zum Beispiel das geniale Prinzip der Stapelbarkeit. Ab Mitte der 1960er Jahre trat die Container-Schifffahrt ihren Siegeszug um die Welt an. Früher musste die Fracht von Menschen mit Körperkraft und Winden mühsam umgeladen werden, das konnte bei einem größeren Schiff schon eine Woche dauern. Heute geht das schneller mit Maschinen, z. B. Kranen und Hubfahrzeugen. Und überall kommen Normen ins Spiel.

Millionen Stück weltweit

Wie ein Monsterheer von fleißigen bunten Ameisen sind zig Millionen Container ständig unterwegs, unendliche Warenströme reisen in ihnen über den Globus. Damit nichts verlorengeht, hat jeder Container eine unverwechselbare Nummer. Die Logistik ist mittlerweile eine Wissenschaft für sich geworden. Ob mit Barcodes, RFID-Funkchips oder in naher Zukunft vielleicht sogar mit Satellitennavigation ausgestattet – ohne einheitliche Begriffe, Maße und Prozessabläufe wäre das Chaos rasch perfekt.

Container gestapelt
Credit: ASI prm

Stabil und robust

Die Sicherheit von Transporten wurde auch durch die standardisierte Fixierung auf den Fahrzeugen erhöht. Container können versiegelt werden, und der Inhalt bleibt unsichtbar, was unerwünschte Zugriffe minimieren soll. Mit der per definitionem „stabilen Beschaffenheit, der ausreichenden Robustheit und der Eignung für wiederholte Verwendung“ eines Frachtcontainers ist es allerdings nicht weit her, wenn falsch gepackt und gesichert wurde. Das ist wiederum abhängig von Größe und Beschaffenheit des Frachtguts. Ist es z. B. flüssig oder explosiv, darf die Kühlkette nicht unterbrochen werden?

Laut CTU-Richtlinien (Cargo Transport Unit) gilt es vor der Abfahrt noch einiges zu tun. Das Packen oder „Stuffen“ eines Containers findet oft in so genannten „Packing Centern“ statt, wobei die Leerräume unbedingt ausgefüllt werden müssen. Stauung bezeichnet die Positionierung von Containern und sonstigen CTUs an Bord von Schiffen, in Lagerhallen oder Umschlaganlagen (Terminals). Die Beladung und Sicherung muss immer sorgfältig und korrekt durchgeführt werden, auf dem Wasser sind keine Kontrollen oder Korrekturen der Beladung üblich bzw. gar nicht möglich.


20 oder 40 Fuß

Meistens denkt man bei Container-Schiffen an große Häfen wie Rotterdam und an Ozeanriesen, hoch wie Türme. Die verbreitetsten ISO-Container haben eine Breite von 8 Fuß und sind entweder 20 oder 40 Fuß lang. Daraus ergeben sich auch die Abkürzungen: „TEU“ (Twenty-foot Equivalent Unit) und „FEU“ (Forty-foot Equivalent Unit).

Als Maßeinheit zur einheitlichen Zählung von Containern hat sich TEU durchgesetzt, das sowohl für die Ladefähigkeit von Containerschiffen als auch für die Umschlagsmengen in Häfen oder Güterbahnhöfen verwendet wird. Die größten Containerschiffe sind für 8 400 bis 9 200 TEU ausgelegt.

Container
Credit: ASI prm

Flußauf- und flußabwärts

Doch es muss nicht immer der Superlativ auf den Weltmeeren sein. Die Donau ist für Österreich ein wirtschaftlich bedeutender Handelsweg. Und die 1 200 Jahre alte Vision, die Nordsee mit dem Schwarzen Meer zu verbinden, die angeblich auf Karl den Großen zurückgeht, wurde mit dem Bau des Europakanals Rhein-Main-Donau 1992 Wirklichkeit.

Diese durchgängige Wasserstraßenverbindung ist für Schiffe bis zu 110 m Länge, 11,4 m Breite, 2,8 m Tiefgang und einer Tragfähigkeit bis 21 000 t bewältigbar. Zwischen Wien und Rotterdam sind insgesamt 65 Schleusen zu passieren. Normen legen auch hier Abmessungen und Ausrüstungen fest, so werden die Höhenunterschiede für Schiffe überwindbar.

Der Containertransport auf der Donau wird in Zukunft an Bedeutung gewinnen. Als künftig optimale Form der Auslastung werden Containerschubverbände mit vier Schubleichtern angesehen, die über eine Stellplatzkapazität von bis zu 576 TEU verfügen sollen.

Raumerweiterung

ISO-Container haben inzwischen auch auf Baustellen ihren fixen Platz erobert: zur Lagerung und Sicherung von Werkzeugen oder als Aufenthaltsräume für Arbeiter und Planungsbüros vor Ort. Ganze, oft mehrgeschoßige Siedlungen lassen sich mit Hilfe dieser genormten Behältnisse rasch und unkompliziert errichten und bei Bedarf erweitern.

Bei Großveranstaltungen bieten sie Platz für die Organisationsteams und in Katastrophenfällen lassen sie sich rasch in Not-Krankenhäuser verwandeln.

Im Grunde ist der Container eine in technischer Hinsicht relativ einfache Konstruktion. Seine weltweite wirtschaftliche Bedeutung im Welthandel, in Logistik und Transport hat er aber letztlich erst durch die Internationale Normung erhalten, durch einheitliche Anforderungen und global geregelte Abmessungen, die ein rationales Handling ermöglichen.


Bibliographie

Der ISO-Container und seine Normen (Auswahl)

ÖNORM ISO 668*)
ISO-Container der Reihe 1 – Klassifikation, Maße und Gesamtmasse
ÖNORM ISO 1161*)
ISO-Container der Reihe 1 – Eckbeschläge – Spezifikation
ÖNORM ISO 3874*)
ISO-Container der Reihe 1 – Handhabung und Sicherung
ÖNORM EN ISO 6346
Frachtcontainer – Kodierung, Identifizierung und Kennzeichnung

*) Diese drei Dokumente sind mit 15. November bzw. 1. Dezember 2009 in aktualisierten Ausgaben erschienen.