Sicher wohnen
Archivmeldung Austrian Standards
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Um die Zahl der Einbrüche in Häuser und Wohnungen nicht weiter steigen zu lassen, kommt die grundlegend überarbeitete Normenreihe ÖNORM EN 1627 bis 1630 zu einbruchhemmenden Türen, Fenstern, Vorhangfassaden, Gitterelementen und Abschlüssen gerade richtig.
Wien (AS prm, 2011-09-06)
Austrian Standards plus führt dazu auch eine Online-Zertifikatsdatenbank mit einem tagesaktuellen Verzeichnis entsprechend geprüfter Produkte.
„In diese Europäischen Normen zur Einbruchhemmung sind viele Änderungswünsche aus der Praxis aufgenommen worden. Um dem Konsumenten die Auswahl aus den sechs definierten Widerstandsklassen zu erleichtern, wurden auch klare Täterprofile definiert“, erläutert der zuständige Komitee-Manager Ing. Mag. arch. Elgar Zöhrer.
Die durchgeführten Änderungen bei den Prüfmethoden stellen daher nun eine bessere Praxisnähe sicher. Grundsätzlich ist die Klassifizierung der Einbruchhemmung in der ÖNORM EN 1627 definiert, die erforderlichen Prüfmethoden in den ÖNORMEN EN 1628, EN 1629 und EN 1630.
Widerstandsklasse 2 als Minimalempfehlung
Von der österreichischen Polizei wird empfohlen, zumindest die Widerstandsklasse 2 einzuhalten: „Damit ist sichergestellt, dass Gelegenheitstäter abgehalten werden“, erläutert Komitee-Mitglied DI Martin Wieser vom Prüfinstitut Holzforschung Austria. Er empfiehlt in diesem Zusammenhang, in Ausschreibungen mindestens diese Widerstandsklasse 2 zu fordern und damit das Sicherheitsniveau zu verbessern.
Als eine wesentliche Änderung wurde die Tabelle der Zuordnung der einzelnen Widerstandsklassen zu Hauptschlössern, Fenstergriffen, Schließzylindern und Schutzbeschlägen aktualisiert und auf zwei Tabellen aufgeteilt. In Hinblick auf den notwendigen Schutz gegen Zylinderziehen stimmte man die Normbezeichnungen für Schutzbeschläge und Schließzylinder aufeinander ab. Österreichische Mindestanforderungen an einbruchhemmende Verglasungen sind in einer eigenenTabelle enthalten.
Einbruchsmethoden werden beschrieben
Die Festlegungen der Schutzniveaus, Anforderungen und Prüfverfahren orientieren sich an den von Einbrechern üblicherweise angewandten Methoden. Diese sind entweder zerstörend (z. B. Aufhebeln, Abschneiden, Anbohren) oder manipulativ (z. B. Angriff mit Sperrwerkzeugen, Ausspähen von Codes).
Hervorgestrichen wird aber auch, dass die beschriebenen Maßnahmen gegen Angriffsmethoden nur für eine bestimmte Zeit Widerstand leisten können. Eine Überwindung nach einer entsprechend langen Zeitdauer oder unter Anwendung neuer, derzeit unbekannter Methoden kann niemals gänzlich ausgeschlossen werden.
Definitiv nicht behandelt wird die Widerstandsfähigkeit von Schlössern und Schließzylindern gegen Angriffe mit Sperrwerkzeugen („Picking“). Ausgenommen ist der Angriff auf elektrisch, elektronisch und elektromagnetisch betätigte einbruchhemmende Bauprodukte mit Hilfe von Angriffsmethoden, die diese Eigenschaften ausschalten könnten. Die Anforderungen an beschusshemmende Bauteile werden in der ÖNORM EN 1522 geregelt.
Prüfvorgang
Die Leistungseigenschaft von einbruchhemmenden Fenstern, Türen und zusätzlichen Abschlüssen wird durch eine Erstprüfung (Eignungsprüfung), eine laufende Eigenüberwachung sowie eine periodische Fremdüberwachung nachgewiesen. Die Erstprüfung führt eine akkreditierte Prüf- und Überwachungsstelle durch, die Anzahl der dabei zu erstellenden Probekörper ist in der ÖNORM EN 1627 festgelegt.
Die Fremdüberwachung hat spätestens nach zwei Jahren zu erfolgen und umfasst einerseits die wiederholte Kontrolle der Produktion sowie der Dokumentation und der Ergebnisse der Eigenüberwachung, und gegebenenfalls Prüfungen an den entnommenen Proben. Sie ist aufgrund eines Überwachungsvertrages mit der Prüfstelle der Erstprüfung durchzuführen.
Für jede Bezugsnorm und jedes Herstellungswerk muss ein eigener Überwachungsvertrag auf unbestimmte Zeit abgeschlossen werden. Als Bestätigung erhalten die Antragsteller ein Konformitätszertifikat. Danach müssen die einbruchhemmenden Elemente mit einer Kennzeichnungsplakette versehen werden, die auch die Registrierungsnummer und die Widerstandsklasse enthalten muss.
Für Produkte, die bereits gemäß der vorherigen Ausgabe dieser ÖNORM registriert worden sind, ist im Zuge der nächsten Fremdüberwachung nachzuweisen, dass sie auch der vorliegenden Ausgabe entsprechen. Ansonsten wird die Registrierung spätestens in zwei Jahren gestrichen. Registrierungen, die auf der Basis der ÖNORM B 5338:1992 oder davor durchgeführt wurden, verlieren überhaupt ihre Gültigkeit.
Durch die Einbindung der vielfältigen Erfahrungen aus der Praxis sichert die umfassende Überarbeitung der Normenreihe zur Einbruchshemmung jedenfalls nun auch für jeden Wohnungs- und Hausbesitzer ein klar definiertes Sicherheitsniveau.
Bibliographie
Türen, Fenster, Vorhangfassaden, Gitterelemente und Abschlüsse – Einbruchhemmung
ÖNORM EN 1627 … - Anforderungen und Klassifizierung
ÖNORM EN 1628 … - Prüfverfahren für die Ermittlung der Widerstandsfähigkeit unter statischer Belastung
ÖNORM EN 1629 … - Prüfverfahren für die Ermittlung der Widerstandsfähigkeit unter dynamischer Belastung
ÖNORM EN 1630 … - Prüfverfahren für die Ermittlung der Widerstandsfähigkeit gegen manuelle Einbruchversuche
ÖNORM B 5338 Einbruchhemmende Fenster, Türen und zusätzliche Abschlüsse - Allgemeine Festlegungen - Ergänzende Bestimmungen zu den ÖNORMEN EN 1627 bis EN 1630
ÖNORM B 5351 Einbruchhemmende Baubeschläge – Schlösser, Schließbleche, Schutzbeschläge, Schließzylinder und Nachrüstprodukte für Fenster und Türen - Maße, Ausführung, Prüfung und Kennzeichnung
Austrian Standards plus Online-Zertifikatsdatenbank

