Abheben mit Normen
Archivmeldung Austrian Standards
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Flugsicherheit beginnt am Boden. Mehr als vier Milliarden Menschen reisen Jahr für Jahr mit dem Flugzeug. Dafür, dass Fliegen die sicherste Art zu reisen bleibt, sorgt eine Vielzahl an Standards und Normen.
Wien (AS prm, 2010-03-10)
Ganz selbstverständlich besteigen wir heute ein Flugzeug, um unsere Geschäftspartner in Frankfurt zu treffen oder unseren wohlverdienten Urlaub in südlichen Gefilden anzutreten. Fliegen ist Alltag.
Und ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, dass unsere Sicherheit jederzeit garantiert ist.
Dass dem so ist, dafür sorgt das Komitee 237 „Luft- und Raumfahrt“ bei Austrian Standards Institute, das heimische Äquivalent zu den Gremien auf europäischer und internationaler Ebene. Da wie dort wird dafür Sorge getragen, dass alle Werkstoffe, Bauteile und Geräte, die zum Einsatz kommen, höchsten sicherheitstechnischen Anforderungen gerecht werden. Und das sowohl im Vorfeld als auch während des Flugbetriebs. Denn nur dadurch ist gewährleistet, dass Flugriesen wie der Airbus A 380 – das größte bisher gebaute Passagierflugzeug – im Linienverkehr sicher betrieben werden können.
Standards geben Sicherheit
Auch hochfliegende Visionen haben ihren Ausgangspunkt meist zu ebener Erde. Wenn etwa am Flughafen Wien jährlich bei knapp einer Viertel Million Starts und Landungen mehr als 18 Millionen Passagiere abgefertigt werden, muss alles reibungslos ablaufen. Die aktuell vieldiskutierten Zutrittskontrollen sind dabei nur eine Facette.
Auch wenn es noch keine dezidierten Normen für die derzeit geforderten „Nacktscanner“ gibt, gearbeitet wird jetzt intensiv an Qualitätskriterien für Dienstleister, die die Sicherheitskontrollen am Airport abwickeln, damit diese ihre Qualifikation und Kompetenz unter Beweis stellen können.
Von Gangways und Terminals
Wer einen Flug antritt, kommt bereits beim Betreten der Abflughalle mit einer Vielzahl von Normen in Berührung. Die Flughafeneinrichtungen unterliegen mitsamt ihren so genannten Luftfahrt-Bodengeräten exakten Reglements. Definiert und genormt werden neben grundlegenden Sicherheitsanforderungen, wie Stabilität und Materialeigenschaften, auch die angewendeten Mess- und Prüfmethoden.
Abflug- und Ankunftshalle sind der Ausgangs- oder Endpunkt jeder Flugreise. Diese als Terminals bezeichneten Empfangsgebäude beinhalten auch den Abfertigungsbereich, die Check-In-Schalter und die Flugsteige. Ein umfangreiches Aufgabenfeld für das Komitee 237. Ob es sich um Transportbänder und Schlepper für das Gepäck oder um Flugsteige und Gangways handelt: Stets kommen Normen zur Anwendung und sorgen für zuverlässige Funktion und Sicherheit.
Terra incognita
Jenseits der Terminals beginnt für Passagiere eine Terra incognita: das Flughafen-Vorfeld. Es dient als Abfertigungs-, Rangier-, Abstell- und Wartungsfläche für die Luftfahrzeuge und liegt im Sicherheitsbereich. Die flugvorbereitenden Tätigkeiten, die auf der so genannten „Ramp“ ausgeführt werden, bedürfen unterschiedlicher Gerätschaften, die dazu dienen, Passagiere oder Güter vom Terminal zum Flugzeug zu transportieren. Selbstverständlich unterliegen auch diese Flugsteige, Fluggastbrücken, Vorfeldbusse, Cateringfahrzeuge und für die Beladung benötigte Container-Hubwagen einer normativen Regelung.
Als Vorbereitung auf den Flug sind aber auch alle Wartungsgeräte und Servicetätigkeiten am Flugzeug selbst zu verstehen. Vom Equipment zum Enteisen und Betanken der Maschine bis zum Sauerstoff und den notwendigen Komponenten für die Klimatisierung der Flugzeuge.
»Ready for Take Off«
Sind das Boarding, die Beladung und die erforderlichen Services abgeschlossen, darf das Flugzeug seine Parkposition verlassen und sich auf die zugewiesene Rollbahn begeben. Kommt dabei ein Schleppwagen oder ein „Follow me“-Fahrzeug mit einem „Marshaller“, also einem Boden-Lotsen, zum Einsatz, kommen die Fluggäste einmal mehr mit Normen in Berührung – zumeist ohne sich dessen bewusst zu sein.
Mit dem Anrollen des Flugzeugs an die Startposition kommt ein weiteres Betätigungsfeld des Normungskomitees 237 zum Tragen. Denn sowohl die Zuteilung der Zeitfenster für Starts und Landungen als auch die Überwachung des Flugbetriebs bedarf der Regelung. Die Arbeitsgruppe „Flugsicherung“, die sich in Österreich derzeit in Gründung befindet, soll sich als Spiegelgremium zu internationalen Einrichtungen auf nationaler Basis mit allen relevanten Aspekten befassen.
Wenn nun der eingangs erwähnte Airbus A 380 nach erfolgreichem Start sein Ziel ansteuert, scheint er zwar allem Irdischen entrückt. Glücklicherweise befindet sich der Superjumbo dennoch nicht in einem undefinierbaren Zustand. Ganz im Gegenteil. An Bord des spektakulären Fluggeräts, das aus mehreren Millionen Einzelteilen besteht, sorgen die unterschiedlichsten Europäischen Normen für Zuverlässigkeit und Sicherheit und tragen dazu bei, dass die 853 Fluggäste, die das größte Passagierflugzeug der Welt maximal befördern kann, entspannt ihr Reiseziel erreichen.
Made in Austria
An Bord des Superjumbos findet sich viel österreichisches Know-how. Von Teilen für Flügel und Landeklappen über Module der Gepäckablage und Systemkomponenten im Triebwerksbereich liefern heimische Unternehmen High Tech für die europäische Flugzeugindustrie. Und auch im Bereich Luftfahrt-Bodengeräte können österreichische Anbieter reüssieren. Heimische Unternehmen zählen zu den führenden Herstellern von Passagiertreppen, Transportgeräten und Sicherheitstechnik und haben sich als Zulieferer von Komponenten und Systemen international einen Namen gemacht.
Dass sich Firmen aus Österreich im wichtigen High-Tech-Markt der Flugindustrie behaupten können, ist nicht zuletzt eine Konsequenz aus der Mitwirkung in Normungsgremien – sowohl der zuständigen Institutionen wie der Unternehmen selbst. Denn nur wer mitredet, kann mitbestimmen. Am Boden genau so wie in der Luft.
Wissen: Komitee 237
Zu den Aufgaben des Komitees 237 gehört die
Normung von Luftfahrt-Bodengeräten und Flughafeneinrichtungen, Werkstoffen und Bauteilen für die Konstruktion und den Betrieb von Luft- und Raumfahrzeugen sowie von Ausrüstungen zur Wartung und Instandhaltung.
Weiters arbeiten die Experten an Anforderungen für Projekt- und Qualitätsmanagement für die Raumfahrtindustrie und Schnittstellenanforderung für Informationssysteme für die Luft- und Raumfahrt.
Das Komitee ist österreichisches Spiegelgremium zu
- CEN/TC 274 „Aircraft ground support equipment“,
- CEN/BT 191 „Air Traffic Management“ und
- ISO/TC 020 „Aircraft and space vehicles“
Komitee-Manager:
Ing. Martin Lorenz
martin.lorenz(at)as-institute.at

