Mehr Sicherheit für Patienten

Aktuell 2012

[2012-01-23] Seit 15. Jänner liegt der Entwurf zur Europäischen Norm EN 16372Dienstleistungen in der ästhetischen Chirurgie“ vor. Stellungnahmen dazu können bis 31. März 2012 abgegeben werden.


Archivmeldung Austrian Standards
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Die Arbeiten an europäischen Standards für die ästhetische Chirurgie starteten Ende September 2010 in Bratislava.

Wien (AS prm, 2010-10-04)

Der Wunsch nach körperlicher Schönheit ist so alt wie die Menschheit. Aber noch nie war es so einfach, der Natur mit kleinen oder größeren Eingriffen nachzuhelfen. Und noch nie nahmen Menschen dafür so viele Reisen auf sich. Vor allem, wenn anderswo der Preis günstiger ist. 

Aus dem Phänomen entwickelt sich regelrecht eine neue Branche, eine Art „Schönheitsoperations-Tourismus“. Sensationelle Angebote locken, die Qualität bleibt oft auf der Strecke.

Weibliche Statue
Credit: ASI prm

Wenn etwas schiefgeht, haben die Betroffenen nicht nur mit ernst zu nehmenden körperlichen Beeinträchtigungen, sondern auch mit finanziellen Einbußen und anderen Unannehmlichkeiten zu rechnen.

Wenn die Operation im Ausland stattfand und es etwas zu beanstanden gibt, können etwa Regressansprüche oder gar Klagen schwierig durchzusetzen sein. Von sprachlichen Missverständnissen, undurchsichtigen Zahlungs- bzw. Vertragsmodalitäten oder ungeklärten Versicherungsfragen ganz zu schweigen.

Kriterienkataloge fehlen bisher

Was fehlt, ist ein Kriterienkatalog mit unabhängiger Expertise, an Hand dessen Interessenten Angebote auf Korrektheit, Vollständigkeit und Vertrauenswürdigkeit prüfen und vergleichen können. Patientensicherheit ist auch ein wichtiger Aktionsbereich der Europäischen Kommission. Standards für Dienstleistungen im Gesundheits-, Pflege- und Sozialwesen helfen, die Herausforderungen des gesellschaftlichen Wandels besser zu bewältigen.

Der Bedarf nach europaweit einheitlich festgelegten Anforderungen in Bezug auf die Dienstleistung Schönheitsoperation ist jedenfalls gegeben. Austrian Standards Institute ASI hat daher beim Europäischen Komitee für Normung CEN den Vorschlag eingebracht, ein neues Projekt-Komitee zur Erarbeitung dieser Standards zu gründen.

CEN/TC 403 „Aesthetic surgery services“ tagte nun von 23. bis 24. September 2010 zum ersten Mal in Bratislava.

Klarheit schaffen mit Normen

Dr. Karl Grün, Director Development und Sekretär des neu gegründeten Projekt-Komitees: „In den Graubereichen des boomenden Markts Schönheitschirurgie mit Hilfe von Normen für Konsumenten Klarheit zu schaffen, könnte ein Paradebeispiel dafür werden, dass Standards praktikable Alternativinstrumente zu detaillierten europäischen Rechtsvorschriften sind.“

Die größten Märkte weltweit sind die USA, China und Brasilien, aber andere Länder holen auf, ein jährliches Wachstum von 10 bis 15 Prozent wird prognostiziert. Statistiken über Schönheitsoperationen in Österreich werden eher unter Verschluss gehalten. Geschätzt werden rund 40 000 Eingriffe im plastisch-ästhetischen Bereich pro Jahr durchgeführt.

Bei der Behandlung von Falten geht der Trend hin zu ambulanten Behandlungen. Hier kommen Botox, Hyaluronsäure und Peelings zum Einsatz. Bei den chirurgischen Eingriffen stehen Fettabsaugungen an erster Stelle. Aber auch Brustvergrößerung, Bauchdeckenstraffung, Nasenkorrektur und mehr stehen auf der Wunschliste von immer mehr Menschen.

Die Medien haben das Thema längst aufgegriffen, in Fernsehen, Internet und Magazinen werden nicht nur seriöse und kritische, sondern auch beschönigende und irreführende Informationen verbreitet. Keine mühsame Diät mehr, lästige Fettschichten einfach wegschneiden! Eine schnelle Botox-Behandlung in der Mittagspause oder ein Wochenende auf der Beautyfarm mit „Verbesserungsmaßnahmen“? Wer die Wahl hat, hat die Qual.

Realistische Erwartungen

Doch die Beschwerden häufen sich. Patientinnen wurden nicht über Risiken aufgeklärt, es bleiben unschöne Narben zurück, es kommt zu Infektionen, Implantate verrutschen oder sind unverträglich – die Liste der Dinge, die misslingen können, ist lang.

Als Um und Auf bezeichnen erfahrene Spezialisten das umfassende Beratungsgespräch zu Beginn. Sind die Vorstellungen der Patienten realistisch oder liegt vielleicht eine psychologisch begründete gestörte Körperwahrnehmung vor (Dysmorphophobie)? Nicht alles, was machbar ist, ist sinnvoll oder ethisch vertretbar.

Ist die Patientin wahrheitsgemäß und ausführlich über die Abfolge des Eingriffs, die möglichen Risiken und Nebenwirkungen informiert worden? Eine Operation bedeutet ja auch Narkose, Wundschmerzen, Schwellungen, Zeit für Heilung, Nachbehandlungen.

Sind die Kosten transparent? Viele Fragen sind zu klären. Auch die Wahl des richtigen Arzts ist wichtig. Schönheitschirurgie ist kein eigenes Fach, jeder Mediziner kann die Eingriffe in seiner Ordination durchführen. Die Ausbildung zum Facharzt für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie dauert immerhin sechs Jahre.

Trotz allem sollte nicht vergessen werden: Eine Schönheitsoperation ist ein chirurgischer Eingriff ohne medizinische Indikation, er dient damit einer oft nur subjektiv wahrgenommenen Verschönerung des menschlichen Körpers.

Erfolgreicher Start

Zur ersten Sitzung des CEN/TC 403, die vom 23. bis 24. September 2010 in Bratislava stattfand, hatte die Slowakische Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Chirurgie eingeladen. Parallel dazu fand in der slowakischen Hauptstadt die 9. Consensus Conference der IQUAM (International Committee for Quality Assurance, Medical Technologies & Devices in Plastic Surgery) statt.

In der Plenarsitzung haben die mehr als 30 Teilnehmer bereits einstimmig die Definition für ästhetische Chirurgie beschlossen, ebenso Titel, Anwendungsbereich und Struktur der künftigen Europäischen Norm festgelegt. Vier europäische bzw. internationale Organisationen wurden als „Liaison Organisations“ aufgenommen.

Die nächste Sitzung findet im Jänner 2011 in Wien im Austrian Standards Institute statt.