Gutachten

Eine Europäische Norm soll künftig die grenzüberschreitende Tätigkeit von Gutachtern erleichtern.

Wien (AS prm, 2010-06-24)

Aktenberg
Credit: ASI prm

Unsere Welt wird komplexer. Auch wenn wir unser Wissen aktuell halten und ständig erweitern, stoßen wir doch irgendwann an Grenzen.

Trotzdem gilt es, fundierte Entscheidungen zu treffen. Oft müssen wir dabei auf das Know-how von externen Experten zurückgreifen, benötigen Gutachten oder Expertisen, um sicher zu sein, die richtigen Maßnahmen zu setzen. Die Tätigkeit von Gutachtern ist heute unverzichtbar geworden.

Aber: Wie stellt der Gutachter sicher, „gute“ und richtige Informationen und Entscheidungsgrundlagen zu liefern? Nach welchen Kriterien erstellt er seine Gutachten? Wie geht er dabei vor?

Europäische Norm beantragt

Um zu gewährleisten, dass die hohen Erwartungen, die zu Recht an Gutachten gestellt werden, auch tatsächlich erfüllt werden, braucht es einheitliche Regeln.

Angesichts der grenzüberschreitenden Verflechtung der Wirtschaft hat jetzt das französische Normungsinstitut AFNOR die Entwicklung einer Europäischen Norm für Gutachter-Tätigkeiten initiiert.

Titel des Projekts: „General requirements of competence for an expertise activity“; zu Deutsch: „Allgemeine Anforderungen an die Kompetenz bei der Erstellung von Expertisen/Gutachten“.

Dazu soll nun ein eigenes Programm-Komitee (CEN/PC) mit dem Titel „Expertise Services“ (Gutachter-Dienstleistungen) eingerichtet werden. Eine Umfrage dazu wird derzeit unter den Mitgliedern des Europäischen Komitees für Normung CEN durchgeführt.

Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit

Maßgeblichen Anstoß zur Entwicklung von Europäischen Normen für Gutachter-Dienstleistungen hat auch die Europäische Union gegeben.

In der Mitteilung „Improving the knowledge base for better policies“ vom Dezember 2002 unterstreicht die Kommission die Notwendigkeit, bestmögliche Verfahren sicherzustellen, um Expertisen bzw. Gutachten für die EU-Politik zu nutzen.

Denn, wie es im französischen Antrag heißt: „Gutachten sind ein integraler Bestandteil einer dynamischen und wissensbasierten Gesellschaft“. Dies werde die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und die Lebensqualität verbessern.

Auswirkungen wird eine künftige Norm auf eine Reihe von Dienstleistungsbereichen haben: auf wissenschaftliche und technische Gutachten, ebenso wie bei Versicherungen, in der Rechtsprechung oder im Finanzwesen.

Im Wesentlichen soll das neue Norm-Projekt allgemeine Kompetenzen und Qualifikationen beschreiben, wie sie für die unterschiedlichsten Arten von Gutachten erforderlich sind.

Ausgenommen davon sind auf jeden Fall Consulting- Aktivitäten, Tests, technische Überprüfungen oder Audits im Rahmen der Konformitätsbewertung.

Erklärtes Ziel ist es schließlich, ein solches Niveau an Zuverlässigkeit von Gutachten zu erreichen, dass bei Entscheidungen auf der Basis von Expertisen Zweifel an der Richtigkeit der getroffenen Maßnahmen nicht möglich sind.