Vom Entwurf zur gültigen Norm
Hat sich die Arbeitsgruppe des ISO/TC oder SC auf einen Komitee-Entwurf (Committee Draft, CD) geeinigt, nehmen die zuständigen Spiegelgremien der beteiligten nationalen Normungsorganisationen dazu innerhalb von drei Monaten schriftlich Stellung.
Wird Konsens darüber erreicht, einen Norm-Vorschlag öffentlich zur Diskussion zu stellen, so leitet ISO auf Basis eines Internationalen Norm-Entwurfs (Draft International Standard, DIS) eine öffentliche Umfrage ein. Die ISO-Mitglieder haben dann fünf Monate Zeit, eine nationale Stellungnahme abzugeben.
Das nationale Spiegelgremium kann entscheiden, die künftige Internationale Norm – auf freiwilliger Basis – in das Österreichische Normenwerk als ÖNORM ISO zu übernehmen. In diesem Fall wird zum Internationalen Norm-Entwurf möglichst frühzeitig der Entwurf einer ÖNORM ISO in deutscher Sprache veröffentlicht.
Bei paralleler Umfrage gemäß "Vienna Agreement" (Wiener Abkommen) zwischen dem Europäischen Komitee für Normung CEN und ISO wird der Entwurf als ÖNORM EN ISO zur Stellungnahme durch die Öffentlichkeit aufgelegt. Auf Basis der Stellungnahmen der Experten im nationalen Spiegelgremium und der Öffentlichkeit wird eine nationale Stellungnahme zum Internationalen Norm-Entwurf abgegeben.
Auf Grundlage der nationalen Stellungnahmen erstellt die zuständige Arbeitsgruppe des ISO/TC bzw. SC einen Internationalen Schlussentwurf (Final Draft International Standard, FDIS). Die ISO-Mitglieder entscheiden in einer zweimonatigen Schlussabstimmung über die Annahme als Internationale Norm.
Die FDIS kann angenommen oder (unter Nennung von Gründen) abgelehnt werden. Ebenso ist Stimmenthaltung möglich. Für die Annahme ist die Zustimmung von zwei Drittel der an der Abstimmung teilnehmenden P-Mitglieder des zuständigen ISO/TC bzw. SC erforderlich. Nicht mehr als ein Viertel der abgegebenen Stimmen darf negativ ausfallen.
Nach einem positiven Abstimmungsergebnis veröffentlicht ISO die Internationale Norm in englischer und französischer Sprache. Die ISO-Mitglieder sind nicht verpflichtet, die Internationale Norm in das nationale Normenwerk zu übernehmen. Das heißt, es steht den ISO-Mitgliedern frei, diese unverändert, modifiziert oder überhaupt nicht als nationale Norm zu übernehmen.
Ausgenommen sind jene Internationalen Normen, die unter dem "Vienna Agreement" erstellt wurden. In diesem Fall hat die Internationale Norm ebenso den Status einer Europäischen Norm und muss von jenen ISO-Mitgliedern, die auch Mitglied von CEN sind, unverändert als nationale Norm übernommen werden (z. B. in Österreich als ÖNORM EN ISO), wobei abweichende nationale Normen zurückzuziehen sind.
