Der Morgen des Herrn G.
oder: Unbemerkt begleiten Normen in einen erfolgreichen Tag.
6:00 Uhr: Der Wecker läutet. Verschlafen öffnet Herr G. die Augen. Der Blick auf seinen Wecker bestätigt ihm: Es ist Zeit aufzustehen. Schon um 9 Uhr ist das erste Meeting angesetzt. Also, raus aus den Federn. Aber mal ganz ehrlich, wer will schon aus dem Bett, wenn er die ganze Nacht friedlich unter einer herrlich weichen Daunendecke ruht, für deren Qualität eine ganze Reihe Europäischer Normen sorgt.
Herr G. setzt sich mit einem Ruck auf. Sein Bett ächzt nicht, die Matratze sinkt nicht ein. Normen sichern die Standfestigkeit des Bettrahmens und die Dauerhaftigkeit der Matratze.
Noch etwas schlaftrunken geht Herr G. zunächst ins Badezimmer und sieht dabei nur schemenhafte Umrisse. Herr G. ist nämlich kurzsichtig. Also ist seine erste Tätigkeit am Morgen, sich die Kontaktlinsen einzusetzen. Die haben über Nacht in einem Pflegemittel gebadet, dessen Anforderungen EN ISO 9394 definiert. Natürlich sind auch die Kontaktlinsen selbst (dank Normen) gut verträglich. Ein gutes Gefühl. Danach putzt sich Herr G. die Zähne. Die Zahnbürste (EN ISO 20126) verliert nicht ihre Borsten, und die Zahnpasta (EN ISO 11609) kratzt nicht wie Scheuerpulver auf den Zähnen.

- Credit: ASI prm
6:30 Uhr: Um die Müdigkeit restlos abzuschütteln und so richtig in Schwung zu kommen, beschließt Herr G. vor dem Frühstück noch eine Runde zu joggen. Obwohl die Joggingschuhe neu – also eigentlich nicht neu, aber nur wenig gebraucht – sind, hat er sofort das Gefühl, wie auf Wolken zu laufen. Denn, was Herrn G. nicht bewusst ist, dass die Sohlen seiner Laufschuhe angenehm federn, liegt daran, dass der Hersteller die einschlägigen Normen eingehalten hat.

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7:00 Uhr: Zurück in den eigenen vier Wänden wird erstmal gefrühstückt. Wie man sich vielleicht an dieser Stelle schon denken kann, sogar vor dem Frühstück macht die Normung nicht halt. Dass die Butter zum Beispiel so streichfähig ist, verdankt Herr G. der DIN 10331. Und auch für die gute Qualität seines Kaffees gibt es eine Norm (EN 14132). Toaster, Kaffeeautomat und Eierkocher haben ihre Normen und funktionieren zufriedenstellend. Schnell das Geschirr in den Spüler. Messer, Löffel, Tassen und Teller kommen am nächsten Tag wieder strahlend sauber heraus, haben keine Flecken oder Sprünge. Sie entsprechen zahlreichen Normen und sind daher spülmaschinenfest. Die Spülmaschine funktioniert einwandfrei. Ihre Gebrauchstauglichkeit wurde nach Norm getestet ebenso wie die Waschmaschine, in die Herr G. seinen verschwitzten Jogging-Anzug steckt.
7:30 Uhr: Aber jetzt ab ins Bad. Herr G. hat es vor kurzem renovieren lassen. Die neuen Armaturen (EN 817) blinken und liefern in Sekundenschnelle warmes Wasser aus dem Boiler, das verlässlich wieder durch die Ablaufgarnitur (EN 274) entschwindet. Die Duschtasse aus Acryl (EN 249) ist rutschfest und sorgt für ein angenehmes Gefühl auf den Fußsohlen, und die Duschabtrennung (EN 14428) schließt lückenlos. Die Fliesen sind makellos verlegt. Gut, dass man sich mit dem Fliesenleger auf die aktuelle Werkvertragsnorm (ÖNORM B 2207) geeinigt hat. Dem morgendlichen Duschvergnügen steht nichts im Weg. Dass Herr G. vergessen hat, die Armbanduhr abzunehmen, ist weiter kein Problem. Das wasserfeste Gehäuse schützt Uhrwerk und Batterie (EN 60086-3).

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8:00 Uhr: Herr G. schnappt sich Mantel und Tasche mit Laptop. Für das Meeting um 9 Uhr hat sich Herr G. noch gestern Abend zu Hause vorbereitet. Übers Internet konnte er die Besprechungsunterlagen aktualisieren und die neuesten Geschäftszahlen ergänzen. Ohne Normen schlicht ein Alptraum!
Umweltbewusst benutzt Herr G. U-Bahn und Bus. Als er auf den Bahnsteig kommt, ist er beruhigt, die interaktive Anzeige (ENV 13998) sagt ihm, dass der nächste Zug in drei Minuten kommt. Dutzende Normen begleiten Herrn G. während seiner Fahrt. Als Fahrgast ist er jetzt (gemäß ÖNORM V 5900) eine „im Rahmen von Tarifbestimmungen und Beförderungsbedingungen zu befördernde Person“. Diese Poesie der Normensprache ist Herrn G. aber nicht bewusst. Er hat inzwischen sein Mobiltelefon gezückt – der GSM-Standard ist überhaupt eine Erfolgsgeschichte der Europäischen Normung – und bittet seine Sekretärin, noch rasch die Unterlagen auszudrucken, die er gestern aktualisiert hat und ein paar Blumen zu besorgen. Eine der Gesprächsteilnehmerinnen (Frau S.) feiert an diesem Tag ein rundes Dienstjubiläum.
8:30 Uhr: Herr G. erreicht sein Büro. Also genügend Zeit, den Computer hochzufahren und die Mailbox zu checken und an der Kaffeemaschine den zweiten Espresso zu trinken. Während der Duft des Kaffees in seine Nase steigt, geht er schnell die Tagesordnung durch. Dass die Kaffeemaschine eigentlich ein Druckgerät ist und zahllose Normen dafür sorgen, dass sie zuverlässig und sicher funktioniert, daran denkt er jetzt ganz bestimmt nicht. Auch nicht daran, dass die Mine (ISO 12757) und die Verschlusskappe (ISO 11540) des Kugelschreibers genormt sind, den ihm seine Assistentin reicht, um zwischendurch ein paar Briefe zu unterschreiben.
9:05 Uhr: Das Meeting fängt an. Computer und Beamer funktionieren, das Flipchart steht bereit, die Unterlagen sind auf Papier im Norm-Format A4 (EN ISO 216) ausgedruckt. Alle Teilnehmer sitzen auf bequemen Konferenzstühlen (ÖNORM ENV 581) und warten gespannt auf die aktuellen Geschäftszahlen, die ihnen Herr G. heute präsentieren will.
Das Meeting verspricht, erfolgreich zu verlaufen. Der Tag hat gut begonnen. Alles hat reibungslos funktioniert. Norm sei Dank!
Liesmarie Schöffel




